Wer von Pythons hört und von Riesenschlangen, denkt sofort an mehrere Meter lange Tiere, die ganze Gazellen verschlingen. Für eine ganze Reihe der Vertreter aus der Gattung Python trifft dies auch zu, aber Python regius gehört zusammen mit seinem engen Verwandten Python anchietae gehören nicht dazu. Sie sind die kleinsten Arten ihrer Gattung. Immer noch groß genug, damit man mit einer stattlichen Schlange zu tun hat aber doch so überschaubar in der Größe, dass es nicht gleich alle Dimensionen eines normalen Wohnzimmerterrariums sprengt. Zusammen mit seinem meist friedlichen Wesen, hat es der Königspython zu einer der beliebtesten Schlangen als Heimtier gebracht. Sicher nicht zu Unrecht.
Trotzdem gibt es ein paar Dinge bei der Haltung dieser Art zu berücksichtigen. Daher möchten wir Ihnen hier ein paar Tipps und Kniffe vorstellen, damit Ihre Haltung zu einem Erfolg wird und Sie Ihrem Königspython ein artgerechtes Zuhause bieten können.

Was ist ein Königspython?
Der Königspython (Python regius) gehört zur Familie Pythonidae und ist ein Vertreter der gleichnamigen Gattung Python, welche ungefähr 10 Arten umfasst.
Neben dem noch etwas kleiner bleibenden Python anchietae ist der Königspython der zweitkleinste Vertreter der Gattung. Im Durchschnitt erreichen die Tiere eine Länge von 100 – 160 cm. Dabei werden die Weibchen größer als die Männchen. Von einzelnen Weibchen wurde berichtet, dass sie 200 cm erreichten und der Rekord liegt bei 240 cm!
Der Königspython weist einen kegelförmigen Kopf auf, der deutlich vom Körper abgesetzt ist. Der Körper erscheint sehr kräftig und der Schwanz ist relativ kurz. Dadurch wirkt die Schlange etwas gedrungen. Das Schuppenkleid besteht aus glatten, ungekielten Schuppen.
Die natürliche Färbung ist charakterisiert durch eine dunkelbraune Grundfärbung. Über den Körper verteilt finden sich unregelmäßige, große und gerundete, oft gold- bis karamellfarbene Flecken oder Sattelzeichnungen. Der Kopf ist oben ebenfalls dunkelbraun. Von der Nase bis zum Hinterkopf zieht sich ein heller Streifen über dem Auge. Die Wangen sind dunkelbraun, die Lippen jedoch wieder hell. Die Bauchseite ist meist einfarbig weiß bis cremefarben.
Das Auge ist dunkel und trägt eine senkrecht geschlitzte Pupille, wie sie für viele nachtaktive Schlangen typisch ist.
Wo kommt der Königspython her?
Der Königspython ist ein Bewohner der Feuchtsavannen und Galeriewälder West- und Zentralafrikas. Sein Verbreitungsgebiet zieht sich vom Senegal im Westen über ganz Westafrika bis nach Uganda und den Südsudan im östlichen Afrika. In vielen Regionen kommt er auch auf Feldern und Gärten vor. Die richtigen tropischen Urwälder meidet die Art allerdings.
Wie lebt ein Königspython in der Natur?
In seiner afrikanischen Heimat ist der Königspython ein sehr versteckt lebendes Tier. Er ist dämmerungs- und nachtaktiv und verbringt der größten Teil seines Lebens unterirdisch verborgen in Nagerbauten oder Termitenhügeln. Jungtiere werden häufiger kletternd beobachtet und scheinen sich vorwiegend von Vögeln zu ernähren. Größere Tiere sind stark an das Bodenleben angepasst und erbeuten dort hauptsächlich Nagetiere. Ihr Fortpflanzungsrhythmus wird durch die Regenzeiten in ihrer Heimat bestimmt.
Was fressen Königspythons?
Wie bereits angedeutet fressen Python regius in der Natur Vögel und kleine Säugetiere. Während Jungtiere nach Untersuchungen in Nigeria hauptsächlich Vögel fraßen, erbeuteten größere Tiere vornehmlich Nagetiere. Welche Nagetierarten tatsächlich gefressen werden, darüber gehen die Meinungen auseinander. Es scheint jedoch so zu sein, dass einzelne Königspythons auf ganz bestimmte Futtertiere spezialisiert sind und kaum etwas anderes fressen. Man nimmt an, dass dies der Grund dafür ist, warum Wildfänge von Python regius mitunter schwer ans Futter zu bekommen sind. Es wurde von Fällen berichtet bei denen die Schlangen über 12 Monate hungerten, bis sie erste Futtertiere annahmen.
Bei Nachzuchten ist die Annahme von „normalen“ Futtermäusen (auch gefrorenen) meist kein Thema, da diese an dieses Futter gewöhnt sind. Trotzdem kann es auch hier zu mehrmonatigen Verweigerung von Futter kommen. Das kommt in der Natur sicher auch vor, da der Lebensraum des Königspython stark von den Regenzeiten geprägt ist und die Nagerpopulationen ebenfalls von den Regenzeiten und dem damit einhergehenden Nahrungsangebot abhängen. Aber auch abrupte Veränderungen in der Haltung können dafür sorgen, dass Futter verweigert wird. Für gut genährte Tiere ist eine mehrwöchige oder gar mehrmonatige Fresspause kein Problem.
Abwehrverhalten
Der Königspython gilt im Allgemeinen als eher friedliche Art, die nur selten zubeißt. Es gibt jedoch individuelle Unterschiede bei den Tieren. Eine Besonderheit beim Königspython ist sein defensives Abwehrverhalten. Fühlt er sich bedroht, rollt er sich zu einer Kugel zusammen, wobei der Kopf unter den Körperschlingen versteckt wird. Daher wird der Königspython im englischsprachigen Raum auch oft als „ball python“ bezeichnet.

Brutverhalten
Fast alle Schlangen legen ihre Eier ab und überlassen sie anschließend dem Schicksal. Bei der Königskobra ist bekannt, dass sie einen Blätterhaufen zusammenrafft, um darin ihre Eier abzulegen und ihr Gelege anschließend bewacht. Einige Pythons, darunter auch der Königspython, gehen noch einen Schritt weiter. Die Weibchen umschlingen ihr Gelege nach der Eiablage und beschützen sie so. Je nach Temperatur legt das Weibchen ihre Körperschlingen dichter oder lockerer um die Eier. Sinkt die Umgebungstemperatur ab, kann das Weibchen die Bruttemperatur des Geleges sogar aktiv erhöhen, indem es rhythmische kleine Muskelkontraktionen durchführt. Diese „shivering thermogenesis“ kann die Temperatur der Eier um mehrere Grad nach oben verschieben! Königspythons gehören daher zu den ganz wenigen Schlangenarten, die aktive Brutpflege betreiben.
Labialgruben
Eine Besonderheit bei Grubenottern und einigen Riesenschlangen ist, dass sie Sinnesorgane haben, die dazu dienen Infrarotstrahlung zu erkennen. was ihnen hilft ihre warmblütigen Beutetiere selbst bei völliger Dunkelheit wahrzunehmen. Bei Grubenottern (daher auch der Name) sitzen die beiden Gruben jeweils zwischen Nasenloch und Auge.
Bei einigen Riesenschlangen sind die Gruben in jeweils einer mehr oder weniger langen Reihe entlang der Ober- und Unterlippe angeordnet. So auch bei Python regius. Ist das Maul geschlossen, sind die Gruben entlang der Unterlippe verdeckt und von außen nicht zu sehen.
Man geht heute davon aus, dass sich die Labialgruben und die Grubenorgane der Grubenottern unabhängig (konvergent) voneinander entwickelt haben. Versuche haben gezeigt, dass die Grubenorgane bei Grubenottern Temperaturunterschiede von 0,003 °C unterscheiden können. Die Labialgruben der Pythonidae und Boidae scheinen nicht ganz so empfindlich zu sein und sind befähigt Unterschiede von lediglich 0,026 °C wahrzunehmen. Wir reden in diesem Falle jedoch immer noch von 100stel Grad Celsius!
Farbmorphen
Wie bereits angedeutet werden heute unzählige Morphen von Königspythons gezüchtet und angeboten. Es ist unmöglich hier auch nur einen groben Überblick über die Formenfülle zu geben. Es gibt einfarbige zeichnungslose Tiere, komplett weiße oder weiße mit Teilen von normaler Färbung (sog. Piebald). Mehr oder minder gestreifte Formen sind genauso zu finden, wie alle nur erdenklichen Flecken und Muster. Sogenannte Blue-Eyed Leucistic beispielsweise sind Tiere die komplett weiß sind und dabei blaue Augen haben. Selbst Tiere die teilweise oder komplett schuppenlos sind werden mittlerweile gezüchtet.
Nicht alles was möglich ist, ist letztlich auch für das Tier gut. So verlieren schuppenlose Tiere einen wichtigen mechanischen Schutz ihrer Haut und nicht selten haben sie Probleme bei der Häutung. Die Spider Morphe zeigt oft genetisch bedingte neurologische Störungen, die zum sog. Wobble führt. Eine Störung die zu Kopfneigung, Zittern oder „Korkenzieherbewegungen“ führen kann. Die Ausprägung dieser Störung kann von kaum merklich bis zu schwerwiegend reichen. Letztlich sollte man auf solche Morphe verzichten.
Um sich einen Überblick zu den ganzen Bezeichnungen zu verschaffen, empfehlen wir das Buch von Stephan Broghammer (s. unten).

Haltung
Für die Haltung zweier adulter Tiere sollte man mit einem Terrarium von 150 x 80 x 80 cm rechnen. Um Jungtiere aufzuziehen sollten kleinere Behälter gewählt werden. Das vereinfacht die Kontrolle und in kleiner Behältern gehen die Schlangen oft besser ans Futter.
Wichtig ist, dass man im Terrarium ein Temperaturgefälle realisiert. Die wärmere Hälfte sollte 30-32 °C erreichen, die kühlere Seite darf zwischen 24 und 26 °C liegen. Nachts sollte die Temperatur nicht unter 20 °C fallen. Um immer die richtige Temperatur den Tieren bieten zu können verwenden die Profis sog. Heatpanels, die innen am Deckel des Terrariums befestigt werden und über einen Thermostat gesteuert werden.
Die Luftfeuchtigkeit wird optimalerweise tagsüber bei um die 60 % gehalten und steigt in der Nacht auf 80 -90 % an. Dies wird durch regelmäßiges Sprühen einmal am Abend erreicht. Im Winter wird weniger gesprüht (Trockenzeit), während der Sommerzeit deutlich mehr, um die natürlichen klimatischen Gegebenheiten der Heimatregion zu simulieren.
Als Beleuchtung bedarf es lediglich einer gute Grundbeleuchtung, die das Becken großflächig ausleuchtet und einen Tag-Nacht-Rhythmus für die Tiere schafft. Dazu werden Leuchtstoffröhren oder LED-Balken verwendet. Ein Halogenstrahler, der den Sonnenplatz etwas aufheizt, schadet nicht. Eine spezielle UV-B-Beleuchtung ist in dem Fall nicht notwendig.
Als Bodengrund eignen sich lockere, feuchtigkeitsspeichernde Substrate wie Kokoshumus oder Rindenmulch. Durch mehrere gut befestigte Äste werden Klettermöglichkeiten geschaffen. Wichtig sind Verstecke, welche wenigstens teilweise mit angefeuchtetem Sphagnummoos gefüllt werden sollten, sog. Wetboxen. Eine große Wasserschale darf nicht fehlen, da Königspythons gelegentlich gerne baden. Wenn man robuste Pflanzen wählt, wie beispielsweise Sanseverien, braucht man nicht mal auf eine natürliche Bepflanzung verzichten. Diese Pflanzen kommen sogar aus dem gleichen Verbreitungsgebiet, wie der Königspython.
Schutzstatus
Wie alle Pythons ist auch der Königspython durch den Washingtoner Artenschutzübereinkommen geschützt. Dabei fällt er unter den Anhang II bzw. Anhang B der EU-Artenschutzverordnung.
Normalerweise müsste man die Tiere melden. Weil die Art aber so häufig in Menschenhand gehalten wird, wurde auf eine Meldepflicht verzichtet. Der Halter muss lediglich auf Anfrage die Herkunft seines Tieres nachweisen können.
Weiterführende Literatur
Broghammer, S. (2025): Python regius: Atlas der Farbmorphen, Pflege und Zucht.- Natur und Tier Verlag, Münster, 440 S.
Kölpin, T. (2016): Python regius. Der Königspython.- Natur und Tier Verlag, Münster, 96 S.
Bonke, R. (2023): Der Königspython: Python regius.- Art für Art Reihe, Natur und Tier Verlag Münster, 64 S.
McCurley, K. (2011): Python regius: Das Kompendium.- Chimaira Verlag, Frankfurt a. M., 328 S.
Kirschner, A., Ochsenbein, A. & Seufer, H. (1999): Der Königspython. Pflege, Zucht und Lebensweise.- Kirschner und Seufer Verlag, Rheinstetten, 101 S.

