Tier des Monats Oktober – Die Mississippi-Höckerschildkröte (Graptemys pseudogeographica kohnii)

Wirkliche Schönheit hat immer etwas Geheimnisvolles an sich. Dies trifft auch für die Mississippi-Höckerschildkröte zu. Auf der einen Seite wird diese Schildkröte aufgrund ihres attraktiven Äußeren seit langer Zeit für den Zoohandel auf großen Farmen in Amerika nachgezüchtet und in alle Welt exportiert, auf der anderen Seite führt Graptemys pseudogeographica kohnii in der Natur ein scheues und zurückgezogenes Leben in den dunklen, unzugänglichen Sümpfen der Südstaaten der USA. Bis heute sind Informationen über die natürliche Lebensweise dieser Schildkröte nur spärlich zu bekommen und unser Wissen ist diesbezüglich sehr lückenhaft. Durch ihr scheues Wesen ist diese Schildkröte in der Natur nur schwer zu beobachten.

Zu unseren Männchen
Zu unseren unbestimmten Tieren.

Trotzdem ist die Mississippi-Höckerschildkröte ein dankbarer Pflegling, der sich rasch eingewöhnt und unter Beachtung einiger Voraussetzungen gut im Aquarium halten lässt. Dies gilt vor allem, wenn man sich auf die Haltung männlicher Tiere beschränkt, die mit einer Größe von 9–13 cm zu den kleinsten Wasserschildkröten zählen. So bleibt der Platzbedarf im Rahmen und sprengt nicht gleich die Grenzen eines „normalen“ Aquariums im Wohnzimmer. Die Weibchen erzielen eine stattliche Größe von bis zu 27 cm, sodass hier ein deutlich erhöhter Platzbedarf und Aufwand entsteht.

Viele der anderen Schildkrötenarten, wie die Schmuck- und Zierschildkröten, die als hübsche Babys ebenfalls in großer Zahl für den Zoohandel importiert werden, erreichen mitunter deutlich stattlichere Größen und verlieren im Alter ihre attraktive Jugendzeichnung. Dies hat zur Folge, dass zu groß gewordene Exemplare nicht selten einfach ausgesetzt werden. Im Ruhrgebiet gilt daher die Rotwangen-Schmuckschildkröte Trachemys scripta elegans schon als das häufigste Reptil der Region. Eine solche Faunenverfälschung ist immer auch ein ökologisches Problem für einheimische Arten und wird daher zu Recht unter Strafe gestellt!

G. p. kohnii besitzt einen friedlichen Charakter. Bei genügend Platzangebot kann die Mississippi-Höckerschildkröte nicht nur mit Artgenossen, sondern auch mit anderen verträglichen Arten zusammengehalten werden, die ähnliche klimatische Ansprüche stellen.

Eine gemeinsame Haltung ist durchaus in Harmonie möglich.

Neben der hier beschriebenen Unterart Graptemys pseudogeographica kohnii (Mississippi-Höckerschildkröte) tauchen im Handel regelmäßig die Nominatform G. p. pseudogeographica oder Hybriden zwischen beiden Unterarten auf. Gelegentlich wird auch die Ouachita-Höckerschildkröte G. ouachitensis angeboten. Man muss jedoch wissen, dass in den meisten Fällen nicht zwischen den Formen unterschieden wird und sie alle unter der Sammelbezeichnung „kohnii“ verkauft werden. Für die Haltungsansprüche spielt dies kaum eine Rolle. Alle Formen überschneiden sich in ihren Verbreitungsgebieten, führen eine ähnliche Lebensweise und werden ähnlich groß. Lediglich die Nominatform G. p. pseudogeographica kommt etwas weiter im Norden vor, sodass sie im Winter auch bei niedrigeren Temperaturen gehalten werden kann und länger überwintert werden darf. Dies ist allerdings kein Muss. Graptemys-Arten sind in dieser Hinsicht sehr anpassungsfähig.

Damit Ihre Tiere aber nicht auf ihre Anpassungsfähigkeiten angewiesen sind, sondern Sie ihnen von vornherein die besten Lebensbedingungen bieten können, haben wir vom Reptilienkosmos für Sie die wichtigsten Informationen zusammengetragen. Für ein langes Leben Ihrer Pfleglinge und viel Freude an Ihrem Hobby.

Name & Systematik

Die Mississippi-Höckerschildkröte gehört unter den Schildkröten zur Familie der Emydidae, den neuweltlichen Sumpfschildkröten. Die deutsche Bezeichnung ist etwas unglücklich gewählt, da sich darunter auch die altweltliche Gattung Emys mit unserer einheimischen Sumpfschildkröte Emys orbicularis befindet. Allgemein gesprochen handelt es sich bei der Familie Emydidae, bis auf die Gattung Terrapene (Dosenschildkröten), um Tiere, die man als typische Wasserschildkröten bezeichnen würde.

Innerhalb dieser Gruppe unterscheidet sich die Gattung Graptemys sehr klar von den anderen Vertretern dieser Familie. So ist es auch für den Laien relativ einfach, Arten der Gattung Graptemys von anderen Gattungen zu unterscheiden. Weitaus schwieriger gestaltet sich die Frage nach der Unterscheidung der Arten untereinander. Die 15 verschiedenen Höckerschildkröten-Arten sehen sich z. T. sehr ähnlich und unterscheiden sich häufig nur anhand weniger Zeichnungsmuster der Weichteile. Dies hat dazu geführt, dass sich die Bewertung der einzelnen Arten und Unterarten innerhalb der Gattung Graptemys bis in die jüngste Vergangenheit immer wieder verändert hat. Mit Graptemys pearlensis wurde 2010 sogar noch eine neue Art entdeckt.

Nachdem GRAY 1831 die Falsche Landkarten-Höckerschildkröte G. pseudogeographica beschrieben hatte, ordnete BAUR 1890 dieser Art mit G. p. kohnii eine zweite Unterart zu. Diese sollte sich mehr auf das südlichere Verbreitungsgebiet beschränken und ließ sich besonders durch eine abweichende Kopfzeichnung unterscheiden. Trotzdem schien die Situation gerade im Süden des Verbreitungsgebietes weiter unklar zu sein und eine Zuordnung der beiden Unterarten schwierig, was dazu führte, dass CAGLE 1953 zwei weitere Unterarten, nämlich G. p. ouachitensis und G. p. sabinensis, beschrieb. Im Nachhinein stellte sich jedoch heraus, dass diese beiden Formen nicht näher mit G. pseudogeographica verwandt sind, sondern einer weiteren, eigenständigen Art angehören, die sich wiederum in zwei Unterarten aufteilt. Heute sehen viele Wissenschaftler in ihnen sogar zwei valide Arten.

Doch auch die Frage, ob es sich bei den verbleibenden Formen G. p. pseudogeographica und G. p. kohnii lediglich um Unterarten oder doch um getrennte Arten handelt, war lange Zeit unter den Forschern umstritten. Nachdem bis in die neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts immer wieder Zoologen der Meinung waren, es handle sich um zwei echte Arten, hat sich nicht zuletzt durch genetische Untersuchungsmöglichkeiten die Ansicht durchgesetzt, dass es sich bei G. pseudogeographica um eine Art mit zwei Unterarten handelt. Die Mississippi-Höckerschildkröte G. p. kohnii ist also nach heutiger Kenntnis lediglich eine Unterart der Falschen Landkarten-Höckerschildkröte G. pseudogeographica.

Verbreitung und Lebensraum

Alle Graptemys-Arten kommen nur in den USA vor. Lediglich die Gewöhnliche Höckerschildkröte G. geographica erstreckt ihre Verbreitung im Bereich der Großen Seen eventuell bis ins südöstliche Kanada hinein. G. pseudogeographica hingegen besiedelt fast das gesamte Flusssystem des Mississippi- und des Missouri-Rivers. Dabei kommt G. p. pseudogeographica mehr im Oberlauf, sprich im Norden des Verbreitungsgebietes vor, während G. p. kohnii den südlichen Teil bis zum Golf von Mexiko besiedelt. Die Grenze zwischen den beiden Unterarten verläuft etwa in Höhe des Ohio-Zuflusses in den Mississippi, umfasst jedoch eine mehr oder minder breite Hybridzone, in der sich die beiden Formen vermischen.

Neben der Verbreitung im Hauptstrom des Mississippi ist G. p. kohnii vornehmlich in den westlichen Seitenflüssen zu finden. Hier sind der White River, der Arkansas River und der Red River zu nennen. Zusätzlich ist die Mississippi-Höckerschildkröte aus dem Sabine River, Trinity River und Brazos River bekannt. Diese drei Flüsse gehören nicht unmittelbar zum Mississippi-Flusssystem, münden aber ebenfalls in den Golf von Mexiko.

Politisch ist G. p. kohnii damit im Osten der Bundesstaaten Texas, Oklahoma und Kansas zu finden, aber auch in ganz Louisiana und Arkansas. Mississippi und Tennessee werden nur im Westen besiedelt und die nördliche Ausbreitung der Unterart liegt irgendwo im südlichen Missouri und Illinois.

Der gelb markierte Bereich zeigt das grobe Herkunfstgebiet.

G. pseudogeographica scheint als Lebensraum auf große, träge dahinfließende Flüsse spezialisiert zu sein. Stillgewässer, die sporadisch von solchen Flüssen überschwemmt werden, gehören gleichsam zu den Lebensräumen dieser Art. Dabei werden anscheinend vegetationsreiche Gewässer mit vielen Sonnenmöglichkeiten wie z. B. umgestürzte Bäume etc. bevorzugt.

Beschreibung

Die auffälligste Eigenschaft der gesamten Gattung Graptemys zeigt sich in einem ausgeprägten Sexualdimorphismus hinsichtlich der Größe. Die Männchen bleiben deutlich kleiner als die Weibchen. Bei G. p. kohnii erreichen die Männchen eine Panzerlänge von lediglich 9–13 cm, während die Weibchen 15–26 cm lang werden können. Die Nominatform wird in beiden Geschlechtern ein klein wenig größer.

Auffällig ist weiterhin, dass die Weibchen im Verhältnis deutlich größere und massigere Köpfe entwickeln als die Männchen. Die unterschiedlichen Geschlechter präferieren im Alter unterschiedliche Nahrung, so bevorzugen die Weibchen im Alter besonders Wasserschnecken. Daher kommt der große Kopf, um die Gehäuse der Schnecken knacken zu können.

Die Jungtiere sehen im Wesentlichen den Adulten ähnlich. Der Rückenpanzer zeigt eine graubraune bis olivbraune Grundfärbung und ist dachartig aufgewölbt. Die Wirbelschilder bilden einen deutlichen Kiel, der dunkel schwarzbraun gefärbt ist, wobei besonders das 2. und 3. Wirbelschild nach hinten zackig ausgezogen sind. Der Hinterrand des Panzers ist deutlich gesägt.

Der markante Panzer mit seinen „Zacken“

Bei den Jungtieren trägt der Carapax (Rückenpanzer) meist eine Zeichnung aus konzentrisch, z. T. unregelmäßig verlaufenden hellen und dunklen Linien, die ein Netz- oder Ozellenmuster bilden. Im Alter verblasst die Zeichnung etwas. Der Bauchpanzer (Plastron) ist ebenfalls bei den Schlüpflingen deutlich gemustert. Bei erwachsenen Tieren kann sich diese Zeichnung komplett verlieren. Der Bauchpanzer ist dann einfarbig cremeweiß bis gelblich.

Extremitäten und weitere Weichteile weisen eine schwarze, braune und gelbe (oder weiße) Streifenzeichnung auf, die sich auch im Alter nicht verliert. Auf dem Kopf zwischen den Augen verläuft ein gelber Streifen. Besonders auffällig ist eine ebenfalls gelbe Zeichnung, die sich im Nacken aufspaltet und hinter den Augen bis zum Unterrand derselben verläuft. Anhand der Form dieser Linie lassen sich auch die zwei Unterarten unterscheiden. Bei G. p. pseudogeographica endet die Zeichnung höchstens auf Augenmitte, reicht aber nie bis an den Unterrand des Auges.

Die Augen selbst sind weißlich mit einer schwarzen Pupille. Bei der Falschen Landkarten-Höckerschildkröte G. p. pseudogeographica verläuft ein waagrechter dunkler Streifen durch das Auge, der bei der Mississippi-Höckerschildkröte G. p. kohnii fehlt oder zumindest meist deutlich weniger ausgeprägt ist.

Die Füße sind als kräftige Schwimmpaddel ausgebildet. Die Männchen entwickeln zur Geschlechtsreife an den Vorderextremitäten kräftige verlängerte Krallen, die bei der Brautwerbung eine Rolle spielen und auf keinen Fall gekürzt werden dürfen!

Die Schwimmpaddel und die verlängerten Krallen sind gut zu erkennen.

Biologie

Wie oben schon erwähnt, ist aus dem Leben dieser Art in der Natur relativ wenig bekannt. Die meisten Informationen beziehen sich daher auf Beobachtungen in Gefangenschaft.

Als Habitat bevorzugt die Mississippi-Höckerschildkröte stark bewachsene Gewässer. Dabei meidet sie als exzellente Schwimmerin auch tiefe Gewässerstellen nicht. Wichtig sind umgestürzte Bäume oder andere Strukturen, die aus dem Wasser ragen und den Tieren Plätze für ausgiebige Sonnenbäder bieten. Dort können sie sich bei der geringsten Gefahr einfach ins Wasser fallen lassen und abtauchen. Ein Sonnenbad am Ufer wird, wenn irgend möglich, vermieden, da hier die Gefahr durch Beutegreifer ungleich höher ist.

Jungtiere ernähren sich ausschließlich von tierischer Nahrung, während erwachsene Höckerschildkröten omnivor (allesfressend) sind und gelegentlich auch pflanzliche Kost zu sich nehmen. Allein durch ihren wuchtigeren Kopf besitzen die Weibchen ein kräftigeres Gebiss als die Männchen und nehmen daher häufig harte Wasserschnecken und Muscheln zu sich. Ansonsten sieht die Ernährung beider Geschlechter gleich aus (vgl. Kapitel Futter).

Die Aktivitätsphase liegt eindeutig am Tage. Im jahreszeitlichen Verlauf scheint die Tageslänge mehr Einfluss auf die Aktivität zu haben als die Temperatur (MEIER 2007). So legen die Schildkröten im Norden des Verbreitungsgebietes eine Winterruhe ein, die bis zu 3 Monate dauert und am Gewässergrund durchgeführt wird. In den südlichen Verbreitungsregionen sind die Tiere ganzjährig aktiv.

Die Paarungszeit fällt in der Natur in die Zeit von April bis Mai. Dabei nähert sich das Männchen in der Regel von hinten, schwimmt über das Weibchen, dreht sich dabei, um anschließend Gesicht an Gesicht dem Weibchen mit den verlängerten Krallen der Vorderfüße gegen die Schnauze zu trommeln. Ist das Werben erfolgreich, reitet das Männchen wie bei allen Schildkröten von hinten auf.

Die Eiablage in der Natur scheint von Mai bis Juli stattzufinden. Dazu suchen die Weibchen besonders gerne Sandbänke auf. Oft werden diese Plätze von vielen Weibchen gleichzeitig genutzt, denn Sandbänke bieten einen guten Schutz vor Eierdieben. In der Regel umfasst ein Gelege 3–6, manchmal auch bis zu 8 Eier. Die Inkubationstemperaturen liegen bei 24–31 °C. Bis zum Schlupf der Jungtiere dauert es je nach Bruttemperatur 54–89 Tage. Wie bei den meisten Schildkröten wird auch bei der Mississippi-Höckerschildkröte das Geschlecht durch die Bruttemperatur im ersten Drittel der Entwicklungszeit im Ei bestimmt. Bei 26–29 °C entstehen Männchen, über 30 °C hingegen Weibchen.

TIPP: Höckerschildkröten können einzeln oder auch in einer Gruppe mit mehreren Männchen gehalten werden. Eine Paarhaltung ist nicht unbedingt erforderlich und bedeutet oft auch viel Stress für die Weibchen.

Das Terrarium

Da Graptemys pseudogeographica viel Schwimmraum benötigt, tieferes Wasser aufsucht und nur selten tatsächlich über Land geht, sollte man für die Haltung dieser Wasserschildkröte lieber von einem Aquarium oder Aquaterrarium sprechen als von einem Terrarium im eigentlichen Sinne.

Das Becken darf gerne nach oben hin offen bleiben. Aus energetischer Sicht mag dies unvernünftig erscheinen, es erleichtert allerdings ungemein die Schaffung eines optimalen Klimas für die Tiere. Bei geschlossenen Becken besteht immer die Gefahr, dass die Schildkröten ständig stickige und feuchte Luft einatmen und beim Sonnenbad nie richtig abtrocknen, was zu Pilzerkrankungen des Panzers, Atemwegsproblemen u. v. m. führen kann. Bei einem nach oben offenen Aquarium lässt sich gut mit Strahlungswärme arbeiten, ohne das Becken zu überhitzen. Die Luft ist immer trocken und frisch. Unter dem Strahler dürfen im Sommer gerne 35–40 °C erreicht werden. Die Wassertemperatur sollte bei 26–28 °C liegen. Wenn man keine tatsächliche Winterruhe durchführen möchte, reicht es im Winter, die Wassertemperatur für einige Wochen auf Zimmerniveau fallen zu lassen, indem man die Heizung abschaltet und die Beleuchtung reduziert.

Die Wassertiefe im Becken sollte bei erwachsenen Tieren mindestens 30 cm betragen. Auch Jungtiere lassen sich schon in tiefem Wasser halten, solange sie eine Möglichkeit haben, das Wasser einfach zu verlassen oder auf Schwimmpflanzen an der Oberfläche zu ruhen. Ob es Sinn macht, sich als Erstes ein kleineres Becken und später ein größeres Aquarium zuzulegen oder ob man sich dafür entscheidet, gleich ein entsprechend großes Becken zu kaufen, muss jeder selbst entscheiden. Auf jeden Fall lassen sich schon Babys in einem großen Aquarium halten und wachsen recht schnell.

Für die Haltung eines Pärchens ausgewachsener Höckerschildkröten muss man mit einer Beckengröße ab 120 × 60 cm rechnen. Ein einzelnes adultes Männchen wird sich dauerhaft auch in einem Lucky Reptile Starter Kit Wasserschildkröte wohlfühlen oder genauso in einem Turtle Haven von Exo Terra. Dieser bietet den Vorteil, dass Filter und Heizer bereits integriert sind und als Basis für den Landteil dienen.

Ausstattung und Technik – was ist sinnvoll?

Wasserschildkröten verursachen deutlich mehr Dreck in einem Aquarium als Fische. Für sauberes Wasser ist daher eine entsprechend leistungsfähige Filterung Voraussetzung, oder man muss wöchentliche Wasserwechsel einplanen. Es empfiehlt sich ein Aquarienfilter, der speziell für Wasserschildkröten entwickelt wurde und einen integrierten Regelheizer hat, sodass keine separate Heizung im Aquarium erforderlich ist. Bei Aquarien-Glasheizern im Aquarium besteht die Gefahr, dass sie von den Schildkröten beschädigt werden, was im schlimmsten Fall zu einem Stromschlag führen kann. Durch die Verlegung der Heizung in den Filter ist das Risiko eines tödlichen Stromschlags für Mensch und Tier gebannt. Die gewünschte Temperatur wird einfach am Regelheizer eingestellt.

Ein Außenfilter hat den Vorteil, dass er keinen Schwimmraum wegnimmt, und lässt sich einfach im Unterschrank verstecken. Bei ausreichend Schwimmraum kann aber selbstverständlich auch ein handelsüblicher Innenfilter eingesetzt werden. Der Regelheizer muss dann gesichert werden, indem er z. B. mit einem Drahtgeflecht umhüllt wird, um Glasbruch vorzubeugen.

Ein beispielhaft illustriertes Setup für Landschildkröten.

Als Beleuchtung wird über der Sonneninsel eine Lampe installiert, die auch ausreichend UVB-Strahlung abgibt. Wir empfehlen hier die Lucky Reptile Bright Sun. Sie bietet neben einem ausgewogenen UV-Spektrum sehr viel Licht und Wärme. Gerade für Schildkröten ist die Frage nach einer ausreichenden UVB-Versorgung sehr wichtig, denn nur durch UVB kann das Tier körpereigenes Vitamin D3 bilden, was besonders für ein gesundes Knochen- und Panzerwachstum notwendig ist. Schildkröten besitzen im Verhältnis zu anderen Wirbeltieren sehr viel Knochensubstanz (der gesamte Panzer unter den Hornschilden besteht aus Knochen), daher ist bei ihnen eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D3 bei gleichzeitiger Gabe von Calcium besonders wichtig.

Bei der Haltung mehrerer Tiere in einem großen Becken sollte man darüber nachdenken, einen zweiten Sonnenplatz einzurichten. Hier reicht ein einfacher Wärmestrahler in Form eines Halogen-Spotstrahlers aus. Je nach Helligkeit am Standort des Schildkrötenbeckens muss eventuell noch für eine Grundbeleuchtung gesorgt werden. In dem Fall sei ein LED-Leuchtbalken empfohlen. Während Filter und Regelheizer permanent arbeiten müssen, wird die Beleuchtung über Zeitschaltuhren automatisch ein- und ausgeschaltet.

Die Einrichtung – wie geht man vor?

Sehr wichtig ist es, zunächst den richtigen Standort für das zukünftige Schildkrötenheim zu finden. Bei einem großen Aquaterrarium können schnell mehrere hundert Kilo zusammenkommen. Prüfen Sie, ob die Statik des Gebäudes ein solches Gewicht überhaupt trägt. Das Gleiche gilt für den verwendeten Unterschrank. Um erhöhtes Algenwachstum zu vermeiden, sollte das Becken nicht im direkten Sonnenlicht stehen.

Die Einrichtung ist einfach: Wird eine Rückwand gewünscht, so muss diese als Erstes in das Becken eingeklebt werden. Erst wenn der Kleber (Silikon) getrocknet ist, wird der Bodengrund eingefüllt. Für Graptemys sollte man mittelgroben Aquarienkies wählen. Danach werden Filter und Heizer installiert. Achten Sie darauf, dass alles gut befestigt ist und sich kein Tier z. B. hinter Ansaug- und Auslassrohr des Filters verkeilen kann. Wichtig ist auch, dass die Technik von den Tieren nicht als Steighilfe zum Entweichen genutzt werden kann.

Natürlich dürfen Möglichkeiten zum Sonnen nicht fehlen. Diese sollten so angebracht sein, dass sie es der Schildkröte erlauben, komplett aus dem Wasser zu klettern und vollständig abzutrocknen. Schwimmende Turtle Islands sind dafür ideal, weil sie mit Saugnäpfen an der Aquarienseite befestigt werden und dadurch der Schwimmraum unter ihnen nicht verloren geht. Außerdem passen sie sich immer automatisch dem Wasserstand an. Natürlich kann man auch mit Röhren und Steinen Strukturen schaffen oder Steinaufbauten konstruieren. Diese müssen allerdings einsturzsicher sein.

Insbesondere bei adulten Weibchen muss man darauf achten, einen Eiablageplatz anzubieten. Dies gilt auch für einzeln gehaltene Exemplare. Dazu genügt es, ein mit mindestens 20 cm Sand gefülltes Kunststoffgefäß ins Aquarium zu stellen. Nicht selten produzieren Weibchen Eier, auch wenn diese nicht befruchtet sind. Steht den Weibchen kein adäquater Eiablageplatz zur Verfügung, werden die Eier oft einbehalten und führen in der Folge zur Legenot.

Egal wie Sie Ihren Sonnenplatz gestalten, über diesem wird eine Lampe mit ausreichend UVB-Anteil im Spektrum als künstliche Sonne installiert. Bei der Leuchte muss auf eine sichere Befestigung außerhalb des Aquariums geachtet werden. Wenn alles fertig eingerichtet ist, wird Wasser eingefüllt und zuerst der Filter und einige Minuten danach die Heizung zugeschaltet. Lassen Sie die Technik am besten erst einige Tage testlaufen. So lässt sich alles kontrollieren und ggf. nachjustieren. Erst wenn alle klimatischen Parameter stimmen, dürfen die neuen Bewohner einziehen.

Eine Bepflanzung mit lebenden Wasserpflanzen ist nur bei Jungtieren überhaupt möglich. Zum einen sind die Kleinen noch streng karnivor (fleischfressend) und zum anderen sind sie noch zu klein, um an den Pflanzen durch ihr Gewicht oder ihre Krallen Schaden anzurichten. Die adulten Tiere nehmen hingegen gelegentlich pflanzliche Nahrung auf. Hier besteht die Gefahr von Gesundheitsschäden durch nicht verträgliche oder sogar giftige Pflanzen. Wer nicht auf Grün verzichten möchte, sollte zumindest bei größeren Tieren auf Kunststoffpflanzen zurückgreifen. Neben dem rein optischen Aspekt bringen Pflanzen immer auch Struktur und Versteckplätze ins Becken, sodass dem Anspruch dieser Art nach Deckung und Verstecken Rechnung getragen wird. Ideal sind hier Kunststoffschwimmpflanzen, die im Wasser treibend Deckung nach oben schaffen und besonders Jungtieren die Möglichkeit geben, sich festzuhalten und an der Oberfläche auszuruhen. Alternativ gibt es jedoch auch Kunststoffpflanzen mit robusten und schweren Sockeln, die dafür sorgen, dass sie auch von größeren Tieren nicht so leicht ausgerissen werden können. Diese werden einfach in den Bodengrund eingesetzt. Sind die Kunststoffpflanzen verschmutzt, so lassen sie sich einfach abspülen und bei Bedarf auch desinfizieren – ein großer Vorteil.

Hat man ein nach oben offenes Becken zur Verfügung, so muss man nicht ganz auf eine natürliche Bepflanzung verzichten, denn so lassen sich gut z. B. derbe Sumpfpflanzen wie Zyperngras (Cyperus spec.) einbringen. Wichtig ist nur ein sicherer Halt für die Pflanze, oder man sorgt für Möglichkeiten, die Pflanzen außerhalb bzw. oberhalb des Beckens anzubringen und lässt ihre Wurzeln und Ranken ins Wasser hineinhängen. Damit lassen sich sowohl eine echte Urwaldatmosphäre als auch ein Blickfang für jedes Wohnzimmer schaffen. Es muss immer darauf geachtet werden, dass die verwendeten Pflanzen für die Tiere gesundheitlich unbedenklich sind und den Tieren auf keinen Fall die Chance zur Flucht gegeben wird!

Fütterung

Junge Höckerschildkröten leben hauptsächlich von tierischen Proteinen und erbeuten z. B. Wasserinsekten und kleine Krebstiere. Größere Tiere, vor allem die Weibchen, nehmen gelegentlich auch pflanzliche Nahrung auf, wenngleich hier Schnecken, Würmer und Krebstiere immer noch den Hauptteil der Nahrung ausmachen.

Die Fütterung stellt kein großes Problem dar. Der Handel bietet ein großes Sortiment an verschiedenem Futter speziell für Schildkröten an. Entgegen mancher Angaben kann aber keines dieser Fertigfutter als Alleinfutter dienen. Vielmehr gilt es, eine möglichst große Abwechslung beim Futter anzubieten. Trockenfutter wie Sticks, Pellets oder auch getrocknete Gammarus sollten nur gelegentlich gefüttert werden, da es sehr gehaltvoll ist und die Tiere zu schnell wachsen. Besser ist die Fütterung von Feuchtfutter aus der Dose, das natürliche Nährwerte hat und genügend Ballaststoffe aufweist. Davon gibt es verschiedene Sorten, wie Wasserschnecken, Süßwassergarnelen, Mehlwürmer oder Grillen. Lucky Reptile Herp Diner Turtle Blend enthält gleich eine Mischung aus verschiedenen Futtertieren in einer Dose und garantiert eine gesunde Abwechslung, auch wenn Sie nur wenige Tiere haben. Der große Vorteil der Herp Diner-Dosen ist ihre ständige Verfügbarkeit, die Tatsache, dass die Konserven garantiert parasitenfrei sind, und dass durch den Konservierungsprozess das zugesetzte Calcium nicht einfach abgewaschen werden kann. Das Gleiche gilt für den recht neuen Lucky Reptile Turtle Pudding: ein gummiartiges Gelfutter, das eine ausgewogene Mischung von Nährstoffen und Calcium enthält und so gebunden ist, dass es auch im Wasser nicht zerfällt. So wird das Wasser durch das Füttern kaum belastet.

Zusätzlich kann man auch Lebendfutter wie Regenwürmer, Schlammröhrenwürmer und verschiedene Insekten anbieten. Lebendes Futter fördert in jedem Fall die natürlichen Verhaltensweisen der Tiere und sorgt für Abwechslung. Eine weitere gute Möglichkeit ist tiefgefrorenes Futter. Hier kommen ebenfalls verschiedene Wasserinsekten, Muschelfleisch, aber auch kleine Fische wie Stinte in Betracht. Natürlich muss das Futter immer aufgetaut angeboten werden.

Dendrobena

Um Mangelerscheinungen vorzubeugen, sollte man das Futter regelmäßig mit einer Vitamin- und Mineralstoffmischung anreichern. Sehr wichtig ist auch, eine ständige Calciumquelle, am besten in Form von Sepiaschale, zur Verfügung zu stellen. Den Sepiaschulp kann man einfach im Wasser schwimmen lassen. Die Schildkröten beißen sich je nach Bedarf etwas davon ab.

Gerade bei älteren Exemplaren darf man auch Löwenzahn oder kurz gekochte Karottenstücke als vegetarische Kost anbieten. Dies gilt hauptsächlich für den Sommer, da Schildkröten für die Verdauung pflanzlicher Nahrung relativ hohe Körpertemperaturen benötigen.

TIPP: Wenn man z. B. Wasserlinsen oder andere Wasserpflanzen als Futter anbietet, hat man den Vorteil, dass den Tieren das Futter länger und nach Bedarf zur Verfügung steht. Außerdem wird eine Verschmutzung des Wassers durch überschüssiges Futter vermieden!

Einkaufsliste

In der untenstehenden Liste finden Sie alle relevanten Produkte die Sie benötigen, um die Mississippi-Höckerschildkröte erfolgreich zu halten. Beachten Sie dabei bitte, dass manche Produkte je nach Tiergröße unterschiedlich ausfallen sollten (bspw. Größe des Aquariums).

Aquarium & Technik

Einrichtung

Futter & Nahrungsergänzung

Weiterführende Literatur

Wer sich noch eingehender mit der Haltung dieser Schildkröte auseinandersetzen möchte,
dem sei das „Art für Art“ Buch aus dem Natur-und-Tier-Verlag von ELMAR MEIER ans
Herz gelegt.

MEIER, E. (2007): Falsche Landkarten- und Mississippi-Höckerschildkröten.- Natur und Tier Verlag,
Münster 62 S.

ARTNER, B. (2001): Bemerkungen zu den Höckerschildkröten des Graptemys pseudogeographica-
Formenkreises, mit Berichten über Haltung und Nachzuchten der Falschen Landkarten-Höckerschildkröten G. p. p. GRAY, 1831 und der Sabine-Höckerschildkröte G. o. s. CAGLE, 1952.- Emys, 8(3): 4-17

HENNING, A. S. (2007) Haltung von Wasserschildkröten.- Natur-und-Tier-Verlag, Münster, 124 S.

SCHULZ, S. (2001): Erfahrungsbericht über die Haltung und Zucht der Höckerschildkröte der Gattung
Graptemys, im Besonderen von Graptemys p. pseudogeographica, G. o. ouachitensis, G.
n. nigrinoda und G. barbouri.- Radiata 10 (2): 3-14

FETCHER, O. (2025): The New Mississippi Map Turtles: The Complete Care, Behavior, and Habitat Guide for Graptemys pseudogeographica kohnii. Independently published, 92 S.
Steckbrief