Die Bartagame (Pogona vitticeps)

Die Bartagame (Pogona vitticeps) zählt zu den beliebtesten Reptilien in der privaten Terraristik. Die Gattung Pogona umfasst nach heutiger Sicht 6 verschiedene Arten, die mehr oder weniger alle als Bartagamen bezeichnet werden. Will man genau sein, sollte man daher von der Streifenköpfigen  Bartagame – Pogona vitticeps sprechen. Sie ist mit Abstand die am häufigsten gehaltene Art. 

Ihr ruhiges Wesen, die faszinierende Körpersprache sowie ihr markantes Äußeres machen sie zu einem idealen Pflegling für Anfänger und erfahrene Halter gleichermaßen. Ursprünglich stammt diese Art aus den trockenen und halbtrockenen Regionen Australiens, wo sie ein Leben zwischen hohen Temperaturen, intensiver Sonneneinstrahlung und wechselnden Nahrungsangeboten führt. Die Haltung im Terrarium erfordert daher ein grundlegendes Verständnis ihrer natürlichen Lebensbedingungen, um ihr ein möglichst artgerechtes und gesundes Leben zu ermöglichen.

Alles, was man für eine artgerechte Haltung der Bartagame wissen muss, finden Sie im Folgenden hier beim Reptilienkosmos. 

Aussehen und körperliche Besonderheiten

Körperbau und Größe

Pogona vitticeps erreicht als erwachsenes Tier eine Gesamtlänge von etwa 40 bis 50 cm, wobei fast die Hälfte auf den Schwanz entfällt. Der Körper wirkt robust und abgeflacht. Diese Form dient in der Natur dazu, sich leichter an Untergründe anzuschmiegen, Wärme vom Untergrund aufzunehmen und bei Bedarf in engen Felsritzen Deckung zu finden. Männchen werden in der Regel etwas größer und massiver als Weibchen und haben ausgeprägtere Kopf- und Bartstrukturen.

Ein großes, ausgewachsenes Exemplar
Ein eher kleines Tier

Info: Eine Zuchtlinie aus den USA nennt sich German Giants. Dabei wurde Pogona vitticeps mit Pogona barbata gekreuzt. Die daraus entstandenen Tiere sind riesig und erreichen bis über 60 cm GL! Aber Vorsicht, mittlerweile werden einfach große und überfütterte Tiere unter der Bezeichnung angeboten.   

Der typische „Bart“

Das namensgebende Merkmal ist der kehlseitige „Bart“, eine Ansammlung stacheliger Schuppen, die bei Erregung, Bedrohung oder sozialer Interaktion aufgestellt, aufgebläht und dunkel gefärbt werden kann. Vor allem Männchen nutzen diese Fähigkeit um zu imponieren, zur Revierverteidigung oder bei der Balz. Unterstützt wird das Ganze indem die Echse nickend Bewegungen mit dem Kopf ausführt und so ihre Kehle präsentiert. Die Verfärbung entsteht durch melaninreiche Hautpartien, die sich bei Stress oder Dominanzverhalten auffällig schwarz färben.

Auf diesen Bilder ist der markante „Bart“ gut zu erkennen.
Die gut zu erkennende dunkle Verfärbung des „Barts“.

Farbvariationen

In ihrer natürlichen Form besitzt P. vitticeps sandfarbene bis bräunliche Töne, die eine gute Tarnung in der australischen Wüstenlandschaft bieten. Die Jungtiere sind meist kontrastreicher und deutlicher gefleckt als die adulten Exemplare, welche meist einfarbiger erscheinen. 

Durch Zucht entstanden zahlreiche Farbvarianten, darunter:

•             Citrus (gelb)

•             Red (rot bis orange)

•             Sandfire (intensive Rot- und Orangetöne, Linie, die ursprünglich von der Sandfire Dragon Ranch / USA kommt. Eigentlich keine Morphe, sondern ein Markenname)

•             Hypomelanistische Formen (hellere Schuppen, weniger Schwarzanteile)

•             Translucent (durchscheinende Haut bei Jungtieren)

•             Silkback & Leatherback (schuppenlose bzw. schuppenreduzierte Haut)

Viele diese Morphe sind wunderschön und es sollte jeder seinen Favoriten darunter finden, allerdings ist darauf zu achten, dass bestimmte Zuchtlinien gesundheitliche Besonderheiten (z. B. empfindlichere Haut oder Augen) mitbringen können. Bitte informieren Sie sich vorher entsprechend. Nicht alles, was angeboten wird, ist tiergerecht! Hier sei an die Verantwortung des Einzelnen appelliert!  

Verhalten und Sozialstruktur

Tagesaktive Lebensweise

Bartagamen sind überwiegend tagaktiv und verbringen einen Großteil ihrer aktiven Zeit mit Sonnenbaden, Nahrungssuche und territorialem Verhalten. Die ausgeprägte Sonnenliegehaltung, bei der die Tiere flach ausgestreckt unter einer Wärmequelle liegen, dient dazu, ihre Körpertemperatur zu regulieren. Temperaturschwankungen beeinflussen direkt ihre Aktivität, Verdauung und ihr allgemeines Wohlbefinden.

Kommunikation durch Körpersprache

Besonders interessant ist die Form der Kommunikation: Bartagamen verständigen sich fast ausschließlich über Körpersignale. Dazu gehören:

•             Kopfnicken: Zeichen von Dominanz oder Balz, meist bei Männchen.

•             Armwinken: Häufig bei Weibchen oder unterlegenen Tieren; Ausdruck von Unterwerfung.

•             Bartfärbung und Aufblähen: Einschüchterung, Stress oder Revierverhalten.

•             Flachmachen des Körpers: Kann sowohl zur Thermoregulation als auch zur Demonstration von Dominanz dienen.

•             Schnelles Abdunkeln bestimmter Körperpartien: Reaktion auf Stress oder Temperaturwechsel.

Eine schöne Bebilderung der Körpersprache der Bartagame aus dem Lucky Reptile Ratgeber zur Bartagame.

Territorialität

Vor allem Männchen sind territorial und dulden in der Natur keine adulten Rivalen in unmittelbarer Nähe. Im Terrarium kann dies zu Konflikten führen. Auch Weibchen zeigen untereinander Rangordnungsverhalten, deutlich milder, aber dennoch vorhanden.

Haltung im Terrarium

Eine artgerechte Haltung orientiert sich möglichst nah an den klimatischen und ökologischen Bedingungen ihrer natürlichen Umgebung. Dazu gehören viel Licht, Wärme, ausreichend Platz und eine abwechslungsreiche Ernährung.

Im Reptilienkosmos bieten wir praktische Konfiguratoren, mit denen die Zusammenstellung des passenden Terrariums kinderleicht von der Hand geht. Der Konfigurator bietet vorausgesuchte Ausstattungspakete im Bereich Dekoration, Technik und Ausstattung und erspart so das teils mühevolle Zusammenstellen von Einzelartikeln. Ebenfalls ist die Kompatibilität der Einrichtung gewährleistet und automatisch passend zur jeweiligen Tierart.

Das Lucky Reptile Starter Kit dient als ideales Einstiegsspaket für Halter von jungen Bartagamen.

Terrariengröße

Die Wahl des richtigen Terrariums für Bartagamen ist entscheidend für die Gesundheit und das Wohlbefinden Ihrer Tiere. Das Sachverständigengutachten „Mindestanforderung an die Haltung von Reptilien“ empfiehlt für ein Bartagamen-Paar eine Terrariengröße von mindestens 5 x 4 x 3 (L x B x H) der Kopfrumpflänge (KRL) der Tiere.

Eine Bartagame mit einer KRL von 20 cm sollte also in einem Terrarium mit mindestens 100 x 80 x 60 cm gehalten werden.
Die meisten Bartagamen haben eher eine KRL von 18 cm. So kommt man nach Mindesthaltungsrichtlinien auf eine Grundfläche von 0,65 qm, entsprechend sind die gängigen 120x60x80 cm sind für eine einzelne Bartagame also absolut ausreichend

Mehr Platz ist grundsätzlich immer besser. Für Paare oder Gruppen sollte das Terrarium entsprechend größer geplant werden. Wichtig ist eine ausreichende Strukturierung, die Sichtbarrieren schafft, um Rangstreitigkeiten zu minimieren.

Für juvenile Tiere reicht ein entsprechend kleineres Becken, welches jedoch mit der Bartagame zusammen „wachsen“ sollte, sodass den Tieren jederzeit genügend Platz zur Verfügung steht.

Die Tiere können unter gewissen Bedingungen durchaus gemeinsam gehalten werden.
Das Lucky Reptile isoTarrium ist ein echter Allrounder und auch für adulte Bartagamen geeignet.

Temperatur und Beleuchtung

Als Wüstentier benötigt P. vitticeps eine sehr hohe Lichtintensität, viel Strahlungswärme sowie UVA- und UVB-Strahlung.

•             Sonnenplatz: 45–50 °C

•             Umgebungstemperatur: 28–30 °C

•             Kühlere Rückzugsbereiche: 24–26 °C

•             Nachtabsenkung: 18–22 °C

•             Beleuchtung: 12–14 Stunden täglich

•             UVB-Quelle: Hochwertige UVB-T5-Röhren oder besser Metalldampflampen (z. B. Bright Sun Desert)

UV-Strahlung ist essenziell, damit die Tiere Vitamin D₃ selbst bilden können. Ohne ausreichende UVB-Versorgung drohen schwere Stoffwechselerkrankungen wie metabolische Knochenerkrankungen. Jedoch hilft die beste UV-Strahlung nicht, wenn den Tieren kein Calcium über die Nahrung zur Verfügung gestellt wird! 

Die Bright Sun Desert 70 W als echter Klassiker für Wüstenbewohner.
Mit dem Desert Bedding ist jede Bartagame bestens versorgt.
Futter-, Wasser- und Badeschalen sind bei fast allen Tieren unabdingbar.
Mit dem Pro Timer II macht sich jeder Halter das Leben einfacher.

Einrichtung und Bodengrund

Ein gut strukturiertes Terrarium bietet Klettermöglichkeiten, etwas erhöhte Sonnenplätze und genügend Verstecke. Dazu gehören:

•             Kletteräste und Felsen mit erhöhten Sitzpositionen

•             Künstliche oder natürliche Höhlen

•             Steinplatten zur Wärmespeicherung

•             Fester, grabfähiger Bodengrund (z. B. eine Mischung aus Sand und Lehm)

Wichtig ist, dass alle Einrichtungsgegenstände sicher und gut befestigt sind.

Reiner Spielsand oder zu feiner Sand bergen Verschluckungsrisiken (Darmverschluss) und sollten vermieden werden. Eine leicht feuchte grabfähige Ecke ist besonders für Weibchen wichtig, da sie dort potenzielle Gelege absetzen können. Hier sei das Desert Bedding von Lucky Reptile empfohlen, eine grabfähige und fertige Sand-/Erdmischung, die sogar als Outback Red erhältlich ist. So sieht das Terrarium richtig nach Australien aus!

Eine beispielhafte Einrichtung eines Terrariums inklusive passendem Bodengrund.
Auch künstliche Dekoration bringt durchaus einige Vorteile mit sich.

Ernährung

Bartagamen sind omnivor, das heißt, sie fressen sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrung. Der Anteil verschiebt sich jedoch mit dem Alter:

•             Jungtiere: ca. 70 % Insekten (Heuschrecken, Grillen, Schaben), 30 % Pflanzen

•             Adulte Tiere: ca. 70 % Pflanzen (Wildkräuter, Salate), 30 % Insekten

Wichtig ist:

•             Futterinsekten mit Vitamin- und Mineralstoffpräparaten bestäuben

•             Keine zu fetten Insekten (z. B. Wachsmaden nur selten)

•             Ungespritzte, abwechslungsreiche Pflanzen anbieten

•             Obst wirklich nur als Leckerbissen reichen 

•             Frisches Wasser täglich bereitstellen

Eine Überfütterung – besonders mit zu vielen Insekten – führt häufig zu Verfettung und damit verbundenen Organschäden. Mittlerweile gibt es auch fertige Futtersorten die speziell für Bartagamen zusammengestellt wurden. Diese dienen Teils als Ergänzungs-, oftmals aber auch als Alleinfuttermittel und sind würdige Alternativen zu Futterinsekten. Neben Futterinsekten aus der Dose liefern auch fertige Futtermittel, wie Jellys oder Futtermischungen die passende Menge an benötigten Nährstoffen.

Bearded Dragon Blend als fertiges Futter aus der Dose.
Heimchen sind unter anderem durchaus geeignete Futterinsekten.
Der Bearded Dragon mix ist ein geeignetes Hauptfuttermittel.
Das Beardie Jelly als echter Leckerbissen für alle Bartagamen.

Grundlegend immer zu empfehlen ist die Anreicherung von Vitaminen und Mineralien. Hier helfen verschieden Präparate, welche direkt auf das Futter gestreut werden können.

Das ProVit Reptile ist ein echter Alleskönner im Bereich von Vitaminen und Mineralien.
Sepia gilt als absoluter Klassiker zur Anreicherung des Futters, hier in praktischer Pulverform.
Calcium und D3 decken die wichtigsten Bereiche optimal ab.

Sozialstruktur

Jungtiere können unter Vorbehalt zusammengehalten werden, aber nicht selten beißen sich die Tiere gegenseitig die Schwanzspitzen ab! Dieser wächst bei Agamen nicht nach!

Für adulte Tiere empfiehlt sich in den meisten Fällen eine Einzelhaltung. Bartagamen sind auch in der Natur Einzelgänger. Paare können funktionieren, doch besteht das Risiko, dass das Weibchen permanent vom Männchen bedrängt wird. Mehrere Männchen zusammenzuhalten ist fast immer problematisch. Wenn Gruppenhaltung überhaupt infrage kommt, sollten es mehrere Weibchen mit einem Männchen sein. In dem Fall braucht es aber ein sehr großes Terrarium – dennoch muss man immer ein Auge auf die Tiere haben, und die Möglichkeit vorhalten, die Tiere im Bedarfsfall trennen zu können.

Eine gemeinsame Haltung kann unter Gewissen Umständen durchaus möglich sein!

Gesundheit und Pflege

Regelmäßige Kontrollen gehören zur verantwortungsvollen Pflege:

•             Überwachung des Körpergewichts

•             Kontrolle von Augen, Maul und Kot

•             Prüfung der Haut auf Parasiten oder Abschürfungen

•             Rechtzeitiger Tierarztbesuch bei Atemproblemen, Häutungsproblemen, Apathie oder Fressverweigerung

Auch die Technik im Terrarium sollte regelmäßig auf Funktion geprüft werden (UV-Leuchten austauschen, Temperatur überwachen, Lüftung sicherstellen).

Winterruhe im Terrarium

Die winterliche Ruhephase wird durch allmähliche Temperatur- und Beleuchtungsabsenkung eingeleitet. Wichtig ist eine vorherige tierärztliche Kotuntersuchung auf Parasiten sowie das vollständige Entleeren des Darms, die durch die Einstellung der Fütterung zwei Wochen zuvor erreicht wird. Die Winterruhe selbst, auch Brumation genannt, dauert meist 6–12 Wochen. Dabei sollte die Temperatur bei 12 – 17 °C liegen und die Beleuchtungsdauer bei ca. 6 h. Wobei nur die Grundbeleuchtung angestellt wird. Die Wärmestrahler bleiben ausgeschaltet in der Zeit. 

Schutz

Bartagamen sind nicht international geschützt und unterliegen keinerlei Beschränkungen innerhalb der EU. Da Australien jedoch seit Jahrzehnten ein Verbot für den Export von Wildtieren erlassen hat, kann man heute nur Nachzuchten erwerben.

Das ursprüngliche Herkunftsgebiet der Tiere.

Fazit

Pogona vitticeps ist ein faszinierendes und anspruchsvolles Terrarientier, dass durch sein markantes Aussehen und sein vielfältiges Verhalten begeistert. Die Beobachtung von Körpersprache, Balzverhalten, Thermoregulation und saisonalen Aktivitätsmustern bietet einen tiefen Einblick in die Welt der Reptilien. Wer sich für die Haltung entscheidet, sollte jedoch stets bedenken, dass Bartagamen eine langfristige Verantwortung bedeuten: Sie können 10–15 Jahre alt werden, benötigen viel Platz, starke Beleuchtung, abwechslungsreiche Ernährung und eine sorgfältige technische Ausstattung. Mit dem nötigen Wissen und Engagement lässt sich jedoch eine Haltung realisieren, die dem natürlichen Lebensraum dieser beeindruckenden Echse möglichst nahekommt und dem Tier ein gesundes, aktives Leben ermöglicht.

Tipp

Lucky Reptile hat mit seiner Broschüre rund um die Bartagame einen echten Wissensfundus angelegt! Gerne teilen wir den ausführlichen „Jahresplan“ aus eben jener Broschüre mit Ihnen – gerne auch zum Download!

Weiterführende Literatur

KÖHLER, G., GRIEßHAMMER, K. & SCHUSTER, N. (2013): Bartagamen: Biologie, Pflege, Zucht, Erkrankungen, Zuchtformen.- HERPETON Verlag, Frankfurt a. M., 255 S.

HAUSCHILD , A. (2024): Die Bartagame: Pogona vitticeps.- Art für Art Reihe, Natur und Tier Verlag, Münster, 64 S.

MÜLLER, P. M. (2010): Bartagamen – die Gattung Pogona: Artgerechte Haltung, Pflege und Zucht.- Natur und Tier Verlag, Münster, 168 S. 

AU, M. (2016): Bartagamen: Wohlfühl-Garantie für kleine Echsen. –  Gräfe und Unzer Verlag, München, 64 S.