Die optimale Luftfeuchtigkeit im Terrarium – ein Ratgeber

Was ist Luftfeuchtigkeit eigentlich?

Man kann sich die Luft wie einen unsichtbaren Schwamm vorstellen. Wasser geht vom flüssigen Aggregatzustand in den gasförmigen Zustand über, also in Wasserdampf, und wird von der Luft aufgenommen. In der Regel ist der Wasserdampf in der Luft nicht sichtbar. Erst wenn die maximale Sättigung der Luft mit Wasserdampf fast erreicht ist, zeigt sich die Luftfeuchte beispielsweise als Wolken oder Nebel.

Man unterscheidet zwischen absoluter und relativer Luftfeuchtigkeit. Die absolute Luftfeuchtigkeit ist unabhängig von der Temperatur und betrachtet nur die tatsächliche (absolute) Menge an Wasser, die in einem bestimmten Volumen Luft enthalten ist. Im Regelfall findet man die Angabe, wie viele Gramm Wasser sich in einem Kubikmeter Luft befinden.

Nun ist es aber so, dass die Luft umso mehr Wasser aufnehmen kann, je wärmer sie ist. In diesem Fall betrachtet man das Verhältnis zwischen der Wassermenge, die bei der gegebenen Umgebungstemperatur tatsächlich in der Luft enthalten ist, und der Wassermenge, die sie bei dieser Temperatur maximal aufnehmen könnte, ohne dass es zur Kondensation kommt. In diesem Zusammenhang spricht man von der relativen Luftfeuchtigkeit. Bei 100 % Luftfeuchte ist die Luft bei gegebener Temperatur vollständig mit Wasserdampf gesättigt und kann keinen weiteren Wasserdampf mehr aufnehmen. Kommt weiterer Wasserdampf hinzu, kondensiert das Wasser, d. h., es geht wieder in den flüssigen Zustand über und setzt sich als Tau oder Regen ab. Eine relative Luftfeuchte von 50 % bedeutet beispielsweise, dass die Luft bei dieser Temperatur noch einmal die doppelte Menge an Wasserdampf aufnehmen könnte.

Die Grafik hier zeigt den Zusammenhang zwischen der relativen Luftfeuchtigkeit bei unterschiedlichen Temperaturen und der absoluten Luftfeuchte in Gramm bei 50 % und 100 % relativer Luftfeuchtigkeit für einen Kubikmeter Luft.

Wie kann ich die Luftfeuchtigkeit im Terrarium messen?

Wie oben bereits angedeutet, interessiert uns im Terrarium nur die relative Luftfeuchtigkeit. Diese wird mit einem Hygrometer gemessen. Ein Hygrometer gibt an, wie viel Prozent Wasserdampf die Luft – bei der Temperatur, die am Hygrometer selbst oder am Sensor des Hygrometers herrscht – im Verhältnis zur maximal aufnehmbaren Wasserdampfmenge enthält.

Manuelle Hygrometer für den Hausgebrauch funktionieren meist nach dem Prinzip der Stoffausdehnung (Haar- oder Faserhygrometer). Dabei werden wasseranziehende Materialien wie Haare oder Kunstfasern verwendet, die bei Feuchtigkeit quellen und sich ausdehnen. Diese Bewegung wird mechanisch auf einen Zeiger übertragen, der sich auf einer Skala bewegt, wobei die Skalen bei Echthaarhygrometern oft nicht linear sind. Alternativ nutzen Spiralhygrometer eine beschichtete Metallspirale, die sich bei Feuchtigkeitsaufnahme dehnt und diese Drehung auf einen Zeiger überträgt. Die Zeiger zeigen jeweils die relative Luftfeuchtigkeit in Prozent an. Das hier gezeigte Hygrometer arbeitet nach diesem Prinzip.

Elektronische Hygrometer sind dagegen so aufgebaut, dass sie einen Sensor besitzen, der auf Änderungen der Luftfeuchtigkeit mit einer elektrischen Veränderung reagiert. Diese Veränderung wird mit der vorliegenden Luftfeuchte korreliert und auf einem Display angezeigt. Oft sind solche Geräte mit einem Thermometer kombiniert.

Elektronische Hygrometer haben den Vorteil, dass der Sensor eine getrennte Einheit bildet und das Display nicht am Messpunkt angebracht sein muss. Ein manuelles Hygrometer muss immer an der Stelle platziert werden, an der man die relative Luftfeuchte wissen möchte. Im Terrarium bedeutet das, dass das manuelle Hygrometer immer im Terrarium angebracht werden muss und z. B. von Blättern verdeckt sein oder weit vom Betrachter entfernt liegen kann, was das Ablesen erschwert. Beim elektronischen Hygrometer kann die Anzeige dagegen außerhalb des Terrariums gut sichtbar angebracht werden; nur der Sensor muss im Becken platziert sein.

Egal, ob manuelles oder elektronisches Hygrometer – für beide gilt Folgendes: Um sinnvolle Werte anzuzeigen, muss der Sensor des elektronischen Hygrometers bzw. beim analogen Hygrometer das Gerät selbst der Umgebungsluft frei zugänglich sein. Hygrometer oder Sensor dürfen nicht direkt mit Wasser benetzt werden, da sonst verfälschte, meist zu hohe Werte angezeigt werden. Bei der Platzierung der Geräte muss daher darauf geachtet werden, dass sie freien Zugang zur Umgebungsluft haben, beim Sprühen aber kein Wasser abbekommen. Die richtige Platzierung ist hier entscheidend.

Luftfeuchtigkeit in der Natur

Die relative Luftfeuchtigkeit in der Natur unterliegt grundsätzlich einem tageszeitlichen Verlauf, da sie von der Temperatur abhängt. In den frühen Morgenstunden, kurz bevor die Sonne aufgeht, ist die Luftfeuchtigkeit am höchsten, da die Temperaturen zu diesem Zeitpunkt am niedrigsten sind. Mit zunehmender Erwärmung durch die Sonne nimmt die Luftfeuchtigkeit im Tagesverlauf ab und erreicht gegen den frühen Nachmittag ihr Minimum. Mit sinkenden Temperaturen steigt die Luftfeuchte anschließend wieder an. Selbst im Amazonas-Regenwald kann die relative Luftfeuchtigkeit tagsüber bei etwa 60 % liegen, während sie nachts auf über 90 % ansteigt.

Im Terrarium verhält es sich grundsätzlich ähnlich. Nachdem in der Nacht Beleuchtung und Heizung abgeschaltet wurden, passt sich die Temperatur im Terrarium der Raumtemperatur an und die Luftfeuchtigkeit steigt. Es macht daher keinen Sinn, selbst in einem Regenwaldterrarium dauerhaft 90 % Luftfeuchte erreichen zu wollen.

Natürlich kann dieses grundsätzliche Schema durch Wetterereignisse überlagert werden. Regnet es den ganzen Tag, liegt die relative Luftfeuchtigkeit ohnehin bei 100 %, und es gibt keinen tageszeitlichen Verlauf. Im Terrarium kann ein ähnlicher Effekt auftreten, wenn tagsüber kräftig gesprüht wird, nachts jedoch nicht. Dann kann das Becken nachts abtrocknen, und die Luftfeuchtigkeit kann unter Umständen geringer sein als am Tag. Dies sollte jedoch nicht die Regel sein.

In der Wüste herrscht tagsüber oft eine Luftfeuchte deutlich unter 30 %. Es ist nicht notwendig, dies im Terrarium eins zu eins nachzustellen. Eine relative Luftfeuchte von 50–60 % über den Tag schadet Wüstentieren nicht. Durch die deutliche nächtliche Abkühlung kann die Luftfeuchtigkeit in trockenen Regionen jedoch durchaus auf 100 % steigen und sich als Tau absetzen. Oft ist dies die einzige Möglichkeit für Wüstentiere, ihren Trinkwasserbedarf durch das Auflecken von Tautropfen zu decken. Gelegentliches leichtes Sprühen, insbesondere zur Nacht, ist daher auch in einem Wüstenterrarium sinnvoll.

Warum ist die „richtige“ Luftfeuchtigkeit wichtig im Terrarium?

Die Einhaltung der richtigen Luftfeuchtigkeit im Terrarium ist neben der richtigen Temperatur der zentrale Faktor für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Reptilien und Amphibien. Als wechselwarme (ektotherme) Tiere sind sie komplett von den Umweltbedingungen ihres natürlichen Lebensraums abhängig. Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflussen dabei lebenswichtige biologische Prozesse wie Atmung, Hautfunktion, Stoffwechsel und Fortpflanzung. Da Terrarientiere nicht selbstständig ihren Lebensraum wechseln können, liegt die Verantwortung für passende Bedingungen vollständig beim Menschen. Es ist die Aufgabe des Halters, die optimalen Gegebenheiten im Terrarium nachzustellen.

Aus biologischer Sicht spielt vor allem die Haut eine entscheidende Rolle. Reptilien besitzen eine trockene, verhornt-schuppige Haut, die sie vor Wasserverlust schützt. Trotzdem benötigen viele Arten eine bestimmte Luftfeuchtigkeit, um eine problemlose Häutung zu ermöglichen. Ist die Luft zu trocken, kann es zu Stellen kommen, an denen sich alte Haut nicht löst, insbesondere an Augen oder Zehen. Diese können Durchblutungsstörungen, Entzündungen oder sogar Gewebeverlust verursachen. Eine ausreichend hohe Luftfeuchtigkeit sorgt dafür, dass sich die alte Haut elastisch löst und vollständig abgestreift werden kann.

Bei Reptilien aus trockenen Regionen ist die Haut oft nicht besonders gut gegen Hautpilze geschützt. Diese gedeihen bei warmen und feuchten Gegebenheiten besonders gut. Dauerhaft zu hohe Luftfeuchtigkeit kann daher zu Verpilzungen und Ekzemen führen.

Auch die Atmung über die Lunge wird indirekt von der Luftfeuchtigkeit beeinflusst. Trockene Luft kann die Schleimhäute der Atemwege reizen und anfälliger für Infektionen machen. Besonders bei tropischen Arten, die dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit gewohnt sind, kann eine zu trockene Umgebung zu Atemwegserkrankungen führen. Umgekehrt haben Reptilien aus Wüstenregionen oft keine Abwehrmechanismen gegen Pilze und Bakterien, wie sie bei dauerhaft zu hoher Luftfeuchtigkeit häufig auftreten. In diesem Fall sind Infektionen der Atemwege ein häufiges Phänomen.

Amphibien sind noch stärker auf eine hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen. Ihre Haut ist dünn, durchlässig und reich an Blutgefäßen. Sie dient nicht nur dem Schutz, sondern auch der Atmung und dem Wasserhaushalt. Amphibien nehmen einen Großteil ihres Sauerstoffs sowie Wasser direkt über die Haut auf. Ist die Luftfeuchtigkeit zu gering, trocknet die Haut aus, was die Atmung erheblich beeinträchtigt und schnell zu lebensbedrohlichem Stress führen kann. Zudem verlieren Amphibien bei trockener Umgebung sehr schnell Wasser, da sie kaum Schutz vor Verdunstung haben.

Viele Amphibien sind also feuchtwarmen Klimata ausgesetzt. Man würde meinen, dass dies eine ideale Grundlage für das Wachstum von Pilzen und Bakterien darstellt. Viele Amphibien produzieren daher in ihrer Haut natürliche Antibiotika und Antimykotika, um derartige Infektionen zu verhindern. Gerät dieses Gleichgewicht durch dauerhaft ungünstige Luftfeuchtigkeit aus dem Lot, sind Probleme vorprogrammiert.

Darüber hinaus beeinflusst die Luftfeuchtigkeit das natürliche Verhalten der Tiere. Viele Reptilien und Amphibien verstecken sich tagsüber in feuchten Bodenschichten oder sind auf morgendlichen Tau als Trinkquelle angewiesen. Oft ist die Fortpflanzung mit den Regenzeiten synchronisiert. Stimmt die Luftfeuchtigkeit nicht, zeigen die Tiere häufig Stresssymptome wie Appetitlosigkeit, Apathie oder ungewöhnliches Fluchtverhalten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die richtige Luftfeuchtigkeit im Terrarium essenziell ist, um die natürlichen Lebensbedingungen von Reptilien und Amphibien möglichst genau nachzuahmen. Sie unterstützt lebenswichtige biologische Funktionen wie Hautgesundheit, Atmung, Wasserhaushalt und Häutung. Nur unter passenden Umweltbedingungen können diese Tiere gesund bleiben und ein artgerechtes Verhalten zeigen. Eine regelmäßige Kontrolle und Anpassung der Luftfeuchtigkeit ist daher ein unverzichtbarer Bestandteil verantwortungsvoller Terrarienhaltung.

Wie kann ich die Luftfeuchtigkeit im Terrarium beeinflussen?

Grundsätzlich gilt: Im Terrarium kann man nur aktiv versuchen die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Schwierig wird es, wenn man eine zu hohe Luftfeuchte im Raum hat und versuchen möchte die Luftfeuchtigkeit zu erniedrigen. Glücklicherweise ist dies in der Praxis meist nicht notwendig, weil heutzutage das Standard-Raumklima im Winter bei ca. 30 – 45 % liegt und im Sommer bei 40 – 60 %.

Mit diesen Luftfeuchten können auch die extremsten Wüstenbewohner im Terrarium auskommen, zumal die Luftfeuchtigkeit bei Beheizung des Terrariums in einem solchen Raum noch mal deutlich absinkt. 

Um die Luftfeuchtigkeit im Terrarium zu erhöhen gibt es die folgenden Optionen:

Wasseroberfläche vergrößern

Um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen kann man die Wasseroberflächen vergrößern. Eine größere Oberfläche schafft mehr Verdunstung und lässt die Luftfeuchtigkeit ansteigen. Hier besteht also die Möglichkeit größere Wassernäpfe zu nutzen oder gar einen ganzen Wasserteil zu gestalten. Bewegtes Wasser, wie bei einem Wasserfall erhöht die Luftfeuchte zusätzlich. Wichtig ist natürlich nur, dass man die Gestaltung des Terrariums auch mit den sonstigen Bedürfnissen der gehaltenen Art zusammenpasst.

Gerade für Tiere die viel Zeit im Wasser verbringen aber das Wasser auch gelegentlich verlassen, dazu gehören beispielsweise Wassernattern oder Wasserschildkröten, sei angemerkt, dass sie Bereiche haben sollten mit weniger Luftfeuchtigkeit. Die Tiere sollten komplett abtrocken können. Das verhindert bei Schlangen z.B. die sogenannte Bläschenkrankheit und bei Schildkröten haben Algen oder Pilze keine Chance sich auf dem Panzer anzusiedeln.

In den Bereich der vergrößerten Oberfläche gehört auch der Einsatz von saufähigem Material, das dazu dient Wasser zu speichern und über längere Zeit wieder abzugeben. Ein feuchter Bodengrund in einem Regenwaldbecken sorgt automatisch für ein feuchteres Klima.  Auch in einem Savannenterrarium hält man den Bodengrund einer Ecke immer etwas feuchter als den Rest.  Lebende Pflanzen tragen über die Verdunstung der Blätter ebenfalls zur Erhöhung der Luftfeuchtigkeit bei. Moose speichern ebenfalls viel Wasser. Gleichzeitig beinhalten Moose Pflanzenstoffe, die ein Verschimmeln auch bei feuchtwarmen Bedingungen verhindern. Moose, wie beispielsweise Sphagnum-Moos ist daher gut geeignet um damit Verstecke auszupolstern.  Man spricht in dem Fall auch von einer Wet-Box. In der Natur sind Verstecke unter Steinen oder altem Holz deutlich feuchter als die Umgebung und das kann man so sehr gut nachahmen.

Ähnlich wie bei der Temperatur sollte man auch für die Feuchtigkeit versuchen unterschiedliche Bereiche im Terrarium zu schaffen. So können sich die Tiere immer den Bereich aussuchen, der ihren am besten behagt.

Sprühen

In dem Fall sprechen wir von Sprühen per Hand. Für kleinere Terrarien oder wenn nur gelegentlich gesprüht werden muss, reicht eine Sprühflasche mit Sprühkopf meist aus. Für jeden Sprühstoß muss einmal mit den Fingern gepumpt werden. Auf Dauer kann das ermüden, aber wenn nur gelegentlich gesprüht werden muss, ist das die günstigste Lösung.

Der nächste Schritt wäre ein Pumpsprüher. Hier wird über eine Handpumpe Luftdruck im Wasserbehälter aufgebaut. In der Regel reichen einige wenige Pumphübe aus, und man kann danach mehrere Becken mit dem anliegenden Druck befeuchten. Lässt der Druck mit der Zeit nach, muss eben etwas nachgepumpt werden. Bei größeren Terrarien oder wenn mehrere Becken zu versorgen sind, wäre der Pumpsprüher das Mittel der Wahl.

Die Vorteile des Sprühens per Hand sind, dass man genau auf den Bedarf an Wassermenge reagieren kann und auch schwer zugängliche Stellen gezielt mit Wasser versorgen kann. Außerdem lieben es einige Tierarten, wenn man sie mit lauwarmem Wasser besprüht. Nachteilig ist natürlich, dass man immer zugegen sein muss. Bei Urlaub oder Krankheit braucht man eine zuverlässige Person, die diese Aufgabe übernimmt.

Beregnungsanlage

Eine Beregnungsanlage im Terrarium besteht aus einer Pumpe, Düsen und entsprechenden Verbindungen aus Druckschläuchen. Die Düsen werden im Deckel des Terrariums installiert und wie gewünscht ausgerichtet. Abhängig von der Pumpengröße lässt sich meist die Anzahl der Düsen noch erweitern. Im Ergebnis produziert die Beregnungsanlage einen feinen Sprühregen, der pro Minute einige 100 ml Wasser umsetzen kann – letztlich natürlich abhängig von der Leistungsfähigkeit der Pumpe und der Anzahl der eingesetzten Düsen.

Man kann die Beregnungsanlage selbstverständlich per Hand steuern, indem man sie für die gewünschte Zeit am Tag zuschaltet und sprühen lässt. Meist wird man sie jedoch mithilfe einer Zeitschaltuhr automatisch arbeiten lassen. In der Regel reicht es, wenn man die Beregnungsanlage nur für kurze Zeit zuschaltet. Daher benötigt man eine sekundengenaue Zeitschaltuhr. Diese sind oft nur im Zoofachhandel zu bekommen, da diese sekundengenaue Steuerung kaum für etwas anderes als für Beregnungsanlagen benötigt wird.

Im Idealfall spart die Beregnungsanlage viel Arbeit, und man muss nur noch darauf achten, dass im Vorratsbehälter genügend Wasser ist. Alles andere übernimmt die Beregnungsanlage. Ganz so einfach ist es in der Realität leider oft nicht. Ein Punkt ist, dass die Düsen immer nur in die gleiche Richtung sprühen. Es kann also sein, dass es „Regenschatten“ im Terrarium gibt. Ist beispielsweise ein Blatt im Weg, bekommt die Pflanze dahinter kein Wasser und vertrocknet trotz Beregnungsanlage. Das heißt, man muss die Düsen vielleicht auch mal neu ausrichten oder ggf. mehr Düsen installieren, um alle Bereiche im Terrarium zu erreichen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, per Hand die eine oder andere Stelle noch einmal gezielt mit Wasser zu versorgen.

Tipp: Durch das regelmäßige Versprühen von Wasser und das anschließende Verdunsten bilden sich schnell unschöne Ablagerungen von Mineralien auf Blättern und Scheiben im Terrarium. Die Mineralien, allen voran Kalk, sind im Wasser gelöst und bleiben, wenn das Wasser abtrocknet, als hartnäckige Beläge zurück. Um das zu vermeiden, empfehlen wir die Verwendung von entmineralisiertem Wasser, wie z. B. dem Lucky Reptile Terra-Tec H₂O. Im Gegensatz zu anderslautenden Gerüchten ist es kein Problem, wenn die Tiere destilliertes Wasser trinken. Fehlende Mineralien werden durch das Futter mehr als kompensiert.

Fogger

Unter einem Fogger versteht man einen Ultraschallvernebler. Dabei wird über eine Membran, die mit einer Frequenz von etwa 1,7 MHz schwingt, Wasser in mikroskopisch kleine Tröpfchen zerstäubt. Es wird ein kalter Nebel erzeugt. Für Menschen, Reptilien und Amphibien liegt die Frequenz von 1,7 MHz außerhalb des hörbaren Bereichs. Durch die sehr feine Vernebelung verdunstet der Nebel leicht und erhöht die Luftfeuchtigkeit sehr schnell.

Für die Terrarienanwendung gibt es zwei unterschiedliche Lösungen bei den Ultraschallverneblern:

Die einfachere Lösung ist ein einfacher Vernebler, der im Betrieb direkt ins Wasser eingetaucht wird. Man platziert ihn also im Wasserbecken oder im Wasserfall im Terrarium. Entscheidend ist jedoch, dass diese Geräte nur bei einem bestimmten Wasserstand über der Membran optimal funktionieren. Der Wasserstand sollte sich daher nicht schnell verändern. Zusätzlich sollte man dafür sorgen, dass die Terrarienbewohner keinen direkten Kontakt mit dem Fogger haben können. Zum einen kann die vibrierende Membran die Haut, insbesondere von Amphibien, verletzen, zum anderen darf der Ultraschallvernebler nicht verrückt werden, damit er optimal arbeitet.

Idealerweise stellt man den Vernebler in ein Gefäß mit einem Deckel mit Löchern. Ein kleines Loch im Gefäß, unterhalb des Wasserspiegels, sorgt dafür, dass von außen ständig Wasser nachfließen kann. Die Löcher im Deckel (über dem Wasserstand) erlauben es, dass der Nebel entweichen und ins Becken abgegeben werden kann. Die Löcher im Deckel müssen jedoch so klein sein, dass die Tiere nicht in den Behälter gelangen können.

Etwas aufwändiger sind Geräte wie der Lucky Reptile Super Fog II oder der Exo Terra Humidifier Vernebler. Diese Geräte müssen außerhalb des Terrariums aufgestellt werden, meist auf dem Terrarium. Sie verfügen über einen Wasserbehälter, der für längere Zeit Wasser zur Verfügung stellt und den Wasserstand über der Membran stets auf dem richtigen Niveau hält. Der produzierte Nebel wird über ein Rohr ins Becken geführt. Meist ist die Nebelabgabe sogar regulierbar.

Die Fogger, insbesondere das einfache Gerät, haben jedoch auch Nachteile, die man berücksichtigen sollte. Nicht selten nutzen Terrarientiere das Wasserbecken als Kotablage. Ultraschallvernebler erzeugen feinste Tröpfchen, 1–5 µm groß, die als lungengängig gelten. Das heißt, sie sind so klein, dass sie tief in die Lunge eindringen können. Wenn nun dreckiges und bakterienbelastetes Wasser von den Tieren eingeatmet wird, sind Probleme vorprogrammiert. Es ist also sehr wichtig, bei der Verwendung von Ultraschallverneblern auf Hygiene zu achten. Das bedeutet auch, dass das Wasser im Vorratsbehälter der größeren Geräte regelmäßig getauscht werden muss.

Vor- und Nachteil bei den Foggern kann sein, dass nur recht wenig Wasser ins Becken eingetragen wird. Für die Bewässerung der Bepflanzung reicht der Nebel meist nicht aus. Selbst um genügend Tropfen zu generieren, die den Terrarientieren zum Trinken dienen, muss der Fogger sehr lange im Betrieb sein. Um zusätzliches Sprühen kommt man daher meist nicht herum. Der Vorteil der geringen Wassermenge ist jedoch, dass man kaum Angst haben muss, das Terrarium zu überschwemmen – selbst wenn die Luftfeuchtigkeit dauerhaft auf hohem Niveau gehalten wird.

Bei den größeren Foggern, bei denen der Nebel über einen Schlauch ins Becken geführt wird, sollte man darauf achten, dass der Schlauch möglichst wenig nach oben verläuft und am besten nach unten gerichtet ist, damit der Nebel einfach „fließen“ kann. Die optimale Platzierung des Gerätes ist daher auf dem Terrarium. Ein Problem ist, dass der Nebel im Rohr kondensieren kann und sich Tropfen an der Innenwand absetzen. Ist der Schlauch nach oben gerichtet, fließt das Wasser zurück auf die Membran des Foggers. Das kann dazu führen, dass die Nebelbildung behindert oder gar unterbrochen wird. Je kürzer der nach oben gerichtete Teil des Schlauchs ist, desto geringer ist das Problem.

Tipp: Auch bei Verneblern mit Wasserbehälter ist die Verwendung von destilliertem bzw. entmineralisiertem Wasser angeraten. Nicht nur aus hygienischen Gründen, sondern auch, um eine Verkalkung der Membran auf Dauer zu vermeiden. Die Verwendung von destilliertem Wasser kann die Austauschintervalle der Membran deutlich verlängern.

Wie kann ich die Luftfeuchtigkeit im Terrarium regeln?

Beregnungsanlage:
Die Temperatur in einem Terrarium lässt sich sehr einfach und effektiv über einen Thermostat regeln. Das Thermostat misst über einen Sensor die Temperatur und vergleicht sie mit einem vorher eingestellten Sollwert. Liegt die gemessene Temperatur unter dem Sollwert, schaltet das Thermostat ein angeschlossenes Heizgerät, wie z. B. eine Heizmatte, zu und heizt so lange, bis die Solltemperatur erreicht ist, und schaltet sich dann wieder ab.

In gleicher Weise funktioniert ein Hygrostat. In diesem Fall misst das Gerät die Luftfeuchtigkeit über einen Sensor und vergleicht diesen mit dem gewünschten und programmierten Sollwert. Ist die Luftfeuchtigkeit niedriger als der gewünschte Wert, muss ein Gerät zugeschaltet werden, das die Luftfeuchtigkeit beeinflussen kann. Hier liegt jedoch die Schwierigkeit: Die relative Luftfeuchtigkeit ist ein träges System, d. h., sie braucht recht lange, um z. B. nach dem Sprühen anzusteigen. Es kommt schnell zu einer Übersteuerung des Systems. Dies muss bei der Regelung mit einem Hygrostat, wie z. B. dem Lucky Reptile, berücksichtigt werden.

Die Trägheit ist der Grund, warum die Luftfeuchtigkeit nur bedingt mit Hilfe einer Beregnungsanlage regelbar ist. Meist wird die Beregnungsanlage im Terrarium so installiert, dass das Wasser über einen externen Behälter bezogen wird. Im Grunde muss sich die täglich zugeführte Wassermenge mit der täglich verdunstenden Wassermenge die Waage halten. Andernfalls führt dies dazu, dass der Bodengrund mit der Zeit vollkommen versumpft oder das Terrarium überläuft.

Eine Beregnungsanlage, die in diesem Szenario über einen Hygrostat geregelt wird, hat das Problem, dass sie relativ lange sprüht, bis die Luftfeuchtigkeit ansteigt. Es braucht einige Zeit, bis aus den relativ groben Tropfen genügend Feuchtigkeit verdunstet ist, um die Luftfeuchtigkeit nach oben zu treiben. Dabei wird oft deutlich mehr Wasser in das Terrarium eingebracht, als in gleicher Zeit verdunstet. In diesem Fall ist es sinnvoller, die Beregnungsanlage über eine sekundengenaue Zeitschaltuhr zu betreiben, da man die Anlage in der Regel nur für wenige Sekunden sprühen lassen muss.

Um trotzdem eine Steuerung der Beregnungsanlage über einen Hygrostat zu ermöglichen, gibt es drei Möglichkeiten:

  1. Das überschüssige Wasser muss regelmäßig aus dem Becken entfernt werden. Am besten geschieht dies durch ein Absaugrohr, das bis in die Drainageschicht reicht. Über dieses Rohr kann das Wasser abgesaugt werden, muss jedoch regelmäßig kontrolliert werden.
  2. Man setzt ein Drainagerohr in den Bodengrund ein, sodass ein Überlauf entsteht. Sobald ein bestimmter Wasserstand überschritten wird, läuft das überschüssige Wasser über einen Schlauch automatisch ab und wird z. B. in einem Kanister unter dem Terrarium gesammelt. Bei diesem System ist es egal, wie lange die Beregnungsanlage sprüht – es würde nichts an der Feuchtigkeit des Bodens ändern. Man muss nur darauf achten, dass der Sammelbehälter nicht überläuft.
  3. Die dritte Möglichkeit besteht darin, in einem Kreislaufprozess zu arbeiten. Das heißt, man saugt das Wasser für die Beregnungsanlage aus der Drainageschicht des Terrariums. Nach dem Sprühen versickert das Wasser im Bodengrund und steht wieder zur Verfügung. In diesem Fall ist es egal, wie oft die Beregnungsanlage am Tag aktiv ist. Mit der Zeit muss lediglich verdunstetes Wasser ersetzt werden. Wichtig ist dabei, dass die Absaugung so gestaltet wird, dass das Wasser gefiltert wird. Schmutziges Wasser kann Düsen und Pumpe schnell verstopfen. Gleichzeitig sollte der vorgeschaltete Filter groß genug sein, damit er sich nicht zusetzt und das Wasser ungehindert durchlässt.

Letztlich geht es in allen drei Fällen darum, dass überschüssiges Wasser keine Rolle spielt. In dem Moment kann die Beregnungsanlage auch etwas länger sprühen, bis die eingestellte Luftfeuchtigkeit erreicht ist. Dennoch ist eine Steuerung der Beregnungsanlage über einen Hygrostat nur für sehr feuchte Regenwaldterrarien sinnvoll.

Die richtige Justierung der Steuerung einer Beregnungsanlage über einen Hygrostat ist nicht unmöglich, aber sie erfordert eine genau auf die Gegebenheiten des jeweiligen Beckens abgestimmte Programmierung. Hier muss man nach individuellen Erfahrungswerten arbeiten.

Es kann z. B. sinnvoll sein, die nächtlichen Sollwerte für die Luftfeuchtigkeit niedriger einzustellen als eigentlich gewünscht. Beispielsweise programmiert man für den Tag 60 % und für die Nacht 70 % Luftfeuchtigkeit. Nehmen wir an, die Erfahrungswerte zeigen, dass die Luftfeuchtigkeit im Becken am Tag nicht unter 65 % sinkt. Dies würde bedeuten, dass die Beregnungsanlage über den Tag nicht zuschaltet. Sobald das Hygrometer jedoch auf Nachtsteuerung umschaltet, schaltet die Beregnungsanlage ein, um den programmierten Sollwert von 70 % zu erreichen.

Allerdings schaltet die Beregnungsanlage auch schnell wieder ab, weil 70 % schnell überschritten werden. Durch die Trägheit der Zunahme der Luftfeuchtigkeit kann das Sprühen dazu führen, dass das Terrarium im weiteren Verlauf auf 90 % ansteigt. Durch die langsame Abnahme der Luftfeuchtigkeit zurück auf den Sollwert von 70 % sprüht die Beregnungsanlage dann vielleicht noch einmal in der Nacht. Dieses Beispiel zeigt, dass die einzustellenden Werte niedriger ausfallen können als die tatsächlich erreichten realen Werte.

Ultraschallvernebler:
Die beste Methode, die Luftfeuchtigkeit automatisch zu regeln, ist die Verwendung eines Ultraschallverneblers, der an einen Hygrostat angeschlossen wird. Durch die sehr feine Vernebelung steigt die Luftfeuchtigkeit recht schnell an. Die Luftfeuchtigkeit kann über den Hygrostat schnell und genau geregelt werden.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Wassermenge, die pro Zeiteinheit vernebelt wird, recht gering ist. Das bedeutet, dass kein Risiko besteht, dass das Terrarium überschwemmt wird – auch dann nicht, wenn dauerhaft sehr hohe Luftfeuchtigkeitswerte erreicht werden sollen.

Ein Nachteil ist lediglich, dass man zusätzlich das Terrarium sprühen sollte, um Pflanzen und Tiere mit ausreichend Wasser zu versorgen. Viele Tiere sind auf Tropfen als Trinkquelle angewiesen.

Unser Tipp:

Idealerweise empfehlen wir eine Kombination aus Ultraschallvernebler und Beregnungsanlage. Die relative Luftfeuchtigkeit wird durch einen Hygrostat geregelt, an den ein Ultraschallvernebler angeschlossen ist. Geräte wie das Lucky Reptile Humidity Control 2 oder das Exo Terra Thermostat & Hygrostat erlauben unterschiedliche Sollwerte für Tag und Nacht. Die Beregnungsanlage wird zeitgesteuert jeweils für wenige Sekunden, vornehmlich am Abend, zugeschaltet – am besten kurz bevor der Hygrostat auf die nächtlichen höheren Luftfeuchtigkeitswerte umschaltet. So lässt sich über die Kombination aus Hygrostat und Ultraschallvernebler die Luftfeuchtigkeit präzise regeln, während die Beregnungsanlage gleichzeitig die Pflanzen bewässert, die Tiere tränkt und die Luftfeuchtigkeit in der Nacht zusätzlich erhöht.

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