Die Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni)
Wer von einer Landschildkröte spricht, hat in aller Regel eine Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni) vor Augen. Sie zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Landschildkrötenarten Europas und verkörpert die typische Landschildkröte. So ist die Gattung Testudo auch namensgebend für die gesamte Familie der Landschildkröten – Testudinidae.
Aufgrund ihres ruhigen Wesens, ihrer vergleichsweise geringen Größe und ihrer hohen Lebenserwartung wird sie häufig als Haustier gehalten. In früheren Zeiten wurde sie gerne einfach als Souvenir aus dem Mittelmeerurlaub mitgebracht oder in großer Zahl für den Zoohandel importiert. Heute ist Testudo hermanni eine streng geschützte Art. Sie ist besonders durch Straßenbau und Habitatzerstörung in ihrem Bestand gefährdet.
Das Wissen über die erfolgreiche Haltung der Griechische Landschildkröte hat sich über die Jahre so entwickelt, dass sie in so großer Zahl jedes Jahr nachgezüchtet werden, sodass heutzutage keine Naturentnahmen mehr notwendig sind. Damit auch Sie ihrem neuen Haustier eine optimale und artgerechte Unterbringung und Pflege bieten können, haben wir für Sie die wichtigsten Infos dazu hier zusammengetragen.

Systematik und Verbreitung
Testudo hermanni gehört zur Ordnung der Schildkröten (Testudines), zur Unterordnung der Halsberger-Schildkröten (Cryptodira – d.h. sie kann ihren Kopf gerade in den Panzer zurückziehen) und schließlich zur Familie der Echten Landschildkröten (Testudinidae). Heute werden innerhalb der Art zwei Unterarten unterschieden:
- Testudo hermanni hermanni (Westliche Griechische Landschildkröte)
- Testudo hermanni boettgeri (Östliche Griechische Landschildkröte)
Das natürliche Verbreitungsgebiet von T. hermanni hermanni erstreckt sich über Südwesteuropa. Insbesondere aus Spanien und Südfrankreich (inkl. Korsika), sind nur ein paar isolierte Vorkommen bekannt. Aus den Baleareninseln Mallorca und Menorca wurde die Art eingeschleppt. Auf dem Festland Italiens kommt sie von einer gedachten Linie zw. Lucca und Ravenna nach Süden hin vor sowie auf den Inseln Sardinien, Sizilien, Elba Pianosa und Lampedusa.
Die Unterart T. h. boettgeri kommt entlang der Adria Küste von Istrien bis nach Albanien vor. Inklusive vorgelagerter Inseln. Über die Balkanregion von Bosnien, Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien, Bulgarien, Südrumänien und Griechenland ist die Schildkröte mehr oder minder flächendeckend zu finden. Das gilt auch für die Ionischen Inseln, Korfu und den europäischen Teil der Türkei.

Namen sind wie Schall und Rauch
Die Namengebung der Griechischen Landschildkröte hat in der Vergangenheit für einige Verwirrung gesorgt. Es fängt damit an, dass es drei Landschildkrötenarten in Europa gibt, die alle auch in Griechenland vorkommen, das sind Testudo hermanni, T. marginata und T. graeca. Nun wurde ausgerechnet diese, mit dem kleinsten Verbreitungsgebiet in Griechenland aber mit dem wissenschaftlichen Namen T. graeca versehen, was übersetzt „Griechische Landschildkröte“ bedeutet. Das Hauptverbreitungsgebiet von Testudo graeca liegt allerdings im Mittleren Osten und in Nordafrika, weshalb sie im Deutschen Maurische Landschildkröte genannt wird. Trotzdem wurde bis fast ins 20. Jahrhundert hinein die wissenschaftlichen Bezeichnungen z.T. synonym verwendet.
Die Griechischen Landschildkröte wurde von dem Göttinger Professor Johann Friedrich Gmelin im Jahre 1789 unter Namen Testudo hermanni erstmalig beschrieben. Benannt hat er sie zu Ehren seines Kollegen Professor Jean Hermann (1738 – 1800) aus Strasbourg / Frankreich.
Lange Zeit war die Griechische Landschildkröte eine monotypische Art ohne Unterarten. Im Jahre 1952 allerdings trennte Heinz Wermuth Testudo hermanni in zwei Unterarten auf und nannte die Westliche Testudo hermanni robertmertensi und die Östliche Rasse Testudo hermanni hermanni. Dummerweise konnte Roger Bour im Jahre 1987 nachweisen, dass sich die Erstbeschreibung der Art aus dem Jahre 1789 auf ein Exemplar der Westlichen Unterart bezog. Das bedeutete, dass eigentlich die Westliche Unterart die Nominatform ist und demzufolge in Wahrheit Testudo hermanni hermanni heißen muss. Nun ist es aber in der zoologischen Nomenklatur so, dass damit die Östliche Unterart einen neuen Namen bekommen muss, bzw. man muss schauen ob in der Vergangenheit nicht doch schon mal jemand diese Unterart irgendwie unterschieden hat. In dem Fall muss dieser Name verwendet werden. Und in der Tat hatte Johann August Edmund Mojsisovics Edler von Mojsvár, ein ungarisch stämmiger österreichischer Paläontologe 1889 die Östliche Griechische Landschildkröte mit dem Namen Testudo hermanni boettgeri versehen. Um die Verwirrung komplett zu machen hat der österreichische Zoologe Friedrich Siebenrock im Jahr eine südafrikanische Landschildkröte mit dem Namen Testudo boettgeri belegt. Diese ist aber heute unter dem Namen Psammobates tentorius bekannt.
In der Vergangenheit gab es immer wieder Versuche die Griechische Landschildkröte in weiter Unterarten aufzuspalten, so wurden die Tiere an der ehemaligen Jugoslawischen Küste lange Zeit der Unterart Testudo hermanni hercegovinensis zugeordnet, heute werden allerdings nur die beiden oben genannten Unterarten anerkannt und T. h. hercegovinensis der Unterart T. h. boettgeri zugerechnet.
Lebensraum
Griechische Landschildkröten bewohnen warme, sonnige Regionen mit trockenem Klima. Die Tiere leben dort in mediterranen Landschaften wie Macchia, lichten Wäldern, buschigem Grasland und trockenen Hügelregionen. Man findet sie aber auch in Gärten, Weinbergen und entlang von Feldrändern
Typisch sind Gebiete mit spärlicher Vegetation, lockeren Böden und vielen Versteckmöglichkeiten. Steine, Büsche und niedrige Pflanzen bieten Schutz vor Fressfeinden und extremen Temperaturen.

Lebensweise
Testudo hermanni sind tagaktive, sonnenliebende Tiere. Im Frühjahr und Herbst sind die Tiere meist ganztägig unterwegs. Im Sommer beschränkt sich ihre Aktivitätszeit auf die Morgenstunden sowie am späten Nachmittag. Während der heißen Mittagszeit ziehen sie sich häufig in schattige Verstecke zurück.

öIm Winter sind Griechische Landschildkröten inaktiv und verbringen die Zeit vergraben in einem Versteck in der Winterstarre (Hibernation). In ihrem natürlichen Lebensraum halten die Schildkröten während der kälteren Monate eine mehrmonatige Starre, die für ihre Gesundheit und ihr hormonelles Gleichgewicht unerlässlich ist.
Äußere Merkmale
Die Griechische Landschildkröte erreicht in der Regel eine Panzerlänge von etwa 20–25 cm. Der Rekord soll bei 36 cm liegen. Weibchen sind größer und kräftiger gebaut als Männchen. Der Rückenpanzer (Carapax) ist hoch gewölbt und gelblich bis olivfarben mit schwarzen Zeichnungen. Der Bauchpanzer (Plastron) weist bei Testudo hermanni charakteristische schwarze Längsbänder auf.
Der untenstehende Vergleich visualisiert die äußeren Unterschiede zwischen der Testudo hermanni hermanni (Westliche Griechische Landschildkröte) und der Testudo hermanni boettgeri (Östliche Griechische Landschildkröte). Links ist jeweils die Testduo hermanni boettgeri zu sehen, rechts die Testudo hermanni hermanni. Grundlegend ist festzuhalten, dass die Westrasse mit rund 20cm Endgröße verhältnismäßig kleiner als die Ostrasse mit ca. 28cm Endgröße bleibt und somit einfacher in der Haltung in Bezug auf die Gehegegröße ist. Die Männchen bleiben bei beiden Arten mit maximal 16cm bzw. 20cm entsprechend kleiner.

Bei derTestudo hermanni hermanni (rechts) sind die beiden Nähte unterschiedlich lang: vorne kürzer und hinten länger. Bei derTestudo hermanni boettgeri (links) verhält es sich genau umgekehrt – hier ist die vordere Naht länger und die hintere kürzer.

Ein wichtiges Erkennungsmerkmal der Griechischen Landschildkröte ist der Hornnagel am Schwanzende, der bei keiner anderen europäischen Landschildkrötenart vorkommt. Das Schwanzschild (Suprocaudale) ist bei Testudo hermanni in aller Regel geteilt, im Gegensatz zur Maurischen Landschildkröte. Sporen an den Ansätzen der Hinterbeine wie sie Testudo graeca aufweist fehlen bei der Griechischen Landschildkröte.

Innere Anatomie und Sinnesleistungen
Als wechselwarme Tiere ist der Stoffwechsel bei Schildkröten von Umgebungstemperatur, Sonnenexposition und Aktivität abhängig. Wie alle Reptilien besitzen Griechische Landschildkröten eine Lungenatmung. Ihr Herz besteht aus drei Kammern, was typisch für Reptilien ist. Der Stoffwechsel ist relativ langsam, das Herz schlägt selbst im Sommer nur 25 bis 50 Mal pro Minute, was ihre lange Lebenserwartung begünstigt – Tiere können über 80 Jahre alt werden.
Der Geruchssinn ist gut ausgeprägt und spielt bei der Nahrungssuche eine wichtige Rolle. Auch das Sehvermögen ist gut entwickelt, insbesondere für Farben und Bewegungen. Eine besondere Anziehungskraft scheint die Farbe Gelb und Orange auf Landschildkröten auszuwirken. Mit einer gelben Löwenzahnblüte lassen sich die Tiere aus dem letzten Winkel des Freilandterrariums locken.
Natürliche Nahrung
Testudo hermanni ist pflanzenfressend (herbivor). In freier Wildbahn ernährt sie sich hauptsächlich von:
- Wildkräutern (z. B. Löwenzahn, Wegerich, Disteln u.v.m.)
- Gräsern
- Blüten und Blättern
- gelegentlich Fallobst in sehr geringen Mengen
Die Nahrung ist rohfaserreich, kalorienarm und calciumhaltig – eine wichtige Voraussetzung für einen gesunden Panzeraufbau. Besonders im Spätsommer bekommen die Schildkröten in der Natur eigentlich nur noch vertrocknete Gräser zu fressen.
Sicher werden die Landschildkröten in der Natur auch mal an einem Kadaver fressen oder mal einen Wurm oder eine Schnecke erbeuten aber das wird nicht die Regel sein. Tierische Proteine sollten daher nur sehr selten zugefüttert werden, wenn überhaupt.
Fütterung
Eine falsche Ernährung, insbesondere mit zu viel Obst, Gemüse oder gar tierischem Eiweiß, kann zu schweren Erkrankungen wie Panzerdeformationen oder Organproblemen führen. Auch in menschlicher Obhut sollte sich die Ernährung an dem natürlichen Speiseplan orientieren, d.h. sie sollte rohfaserreich und ballaststoffreich sein. Als Hauptnahrung sollte aus Gräsern und Wildkräutern bestehen. Diese können entweder in der Natur gesammelt oder ganz bequem online gekauft werden. Eine gute Übersicht was man füttern kann, bietet das „Handbuch der Futterpflanzen; Für Schildkröten und Reptilien“ von Marion Minch.
Salat ist oft sehr wasserhaltig und wenig rohfaserreich und sollte nicht ausschließlich und höchstens in der Übergangszeit gereicht werden. Obst darf bei Europäischen Landschildkröten nur als Leckerli und in Maßen gereicht werden.

Der Reptilienkosmos kann aus Erfahrung sagen, dass es mittlerweile auch gutes und sinnvolles fertiges Futter für Landschildkröten zu kaufen, meist in Form von Pellets oder getrockneten Kräutern. Hersteller wie Lucky Reptile haben entsprechend passende Produkte entwickelt, wie beispielsweise die Alleinfuttermittel Tortoise Mix und Testudo Mix, die der natürlichen Ernährung der Landschildkröte sehr angeglichen sind.
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Vitamine und Calcium
Oft ist die Fütterung in Gefangenschaft doch nicht ganz so abwechslungsreich wie in der Natur. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen sollte daher regelmäßig das Futter mit Vitaminen angereichert werden.

Da der Panzer der Schildkröten unter den Hornschilden komplett aus Knochen besteht, haben insbesondere Landschildkröten im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht sehr viel Knochensubstanz, d.h. sie benötigen viel Kalzium um einen gesunden und wohlgeformten Panzer zu entwickeln. Es ist daher sehr wichtig die Tiere mit ausreichend Kalzium zu versorgen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Neben Sepia-Schulpen kann man Kalziumpräparate verwenden. Achten Sie darauf, dass die Präparate möglichst viele und vor allem organische Kalziumverbindungen beinhalten, diese werden einfacher verstoffwechselt. Dank unserer langjährigen Erfahrung können wir Ihnen praxisnahe Tips geben und geeignete Produkte empfehlen.
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Kalzium alleine ist aber auch nicht ausreichend! Die Kalziumaufnahme aus dem Darm wird nämlich in besonderer Weise durch Vitamin D3 gesteuert. Bei genügend Vitamin D3 im Körper wird die Aufnahmefähigkeit aus dem Darm verzwanzigfacht. Die beste Form der Vitamin D3-Synthese ist, wenn es durch entsprechende UVB-Bestrahlung vom Tier selbst gebildet wird. Werden die Landschildkröten hauptsächlich draußen gehalten ist die ausreichende Versorgung mit Vitamin D3 eigentlich gewährleistet. Vor allem ist es so, dass durch körpereigene Regelmechanismen niemals zu viel Vitamin D3 im Körper gebildet werden kann. Zur Not kann Vitamin D3 auch zugefüttert werden, das ist immer noch besser als kein Vitamin D3, jedoch ist es in dem Fall nicht ganz einfach die richtige Dosierung zu erreichen. Man muss bedenken, dass Cholecalciferol (= Vitamin D3) als giftig klassifiziert ist. Wie bei vielen Substanzen, kann zu viel auch schaden. Daher empfiehlt der Reptilienkosmos: da viele Multivitaminprodukte, aber auch Kalziumsupplemente zusätzlich Vitamin D3 enthalten sollte man da schauen, dass es nicht überdosiert wird.
Fortpflanzung und Entwicklung
Die Paarungszeit beginnt meist im Frühjahr nach der Winterstarre. Männchen zeigen dabei ein oft ruppiges Balzverhalten, indem sie Weibchen verfolgen und immer wieder anrempeln. Gerade bei Männchen-Überschuss kann das die Weibchen sehr unter Stress setzen. Gegebenenfalls muss man die Geschlechter in dieser Zeit trennen.

Nach der Paarung legt das Weibchen meist im Abstand von 20 – 30 Tagen zwei Gelege ab. Die Gelege umfassen zwischen 3 und 8 Eier (max. 11) und werden in eine selbst gegrabene Erdmulde abgelegt. Die Inkubationszeit beträgt etwa bei gleichbleibenden Temperaturen im Brutapparat 55 bis etwas über 70 (max. 90) Tage. Bei schwankenden Temperaturen in der Natur wurden schon Inkubationszeiten von über 120 Tagen beobachtet. Es gab schon dokumentierte Fälle bei denen Jungtiere im Freilandterrarium geschlüpft sind, aber das ist die absolute Ausnahme. In jedem Fall sollten die Eier in einen professionellen Inkubator überführt werden. Hier bietet der Markt für Hobby-Züchter verschiedenste Lösungen an. Durch unsere langjährige Erfahrung können wir Ihnen aus erster Hand entsprechende Empfehlungen bieten.
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Info: Bei einigen Reptilien wird das Geschlecht der Schlüpflinge durch die Bruttemperatur beeinflusst. So auch bei Testudo hermanni. Niedrigere Temperaturen (26 -30 °C) führen eher zu Männchen, höhere (32 – 34 °C) zu Weibchen.
Jungtiere sind von Beginn an selbstständig, jedoch besonders empfindlich gegenüber Umweltbedingungen. Daher wird häufig empfohlen, die Jungtiere im ersten Jahr nicht zu überwintern.
Bei der Vergesellschaftung der Tiere gibt es grundlegend keine Probleme. Zwar sind die Tiere in der Natur eher als Einzelgänger bekannt, jedoch kann eine Gruppenhaltung von 2-4 Tieren durchaus sinnvoll sein. Die Gruppenhaltung bringt gewisse Vorteile mit sich, so fressen die Tiere beispielsweise aufgrund von Futterneid tendenziell besser.
Wichtig bei der Gruppenhaltung: in kleineren Gruppen sollte maximal ein Männchen vorhanden sein, sodass sich der entstehende Stress des Männchens während der Paarung auf mehrere Weibchen aufteilt. In größeren Gruppen kann auch ein weniger homologer Mischbesatz funktionieren.
Sollten sich zwei Tiere wieder erwartend nicht miteinander verstehen, sollten die Tiere getrennt werden.
Rechtliche Grundlagen
Testudo hermanni ist durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) sowie EU-Artenschutzrecht streng geschützt. Jede Haltung muss daher gemeldet werden, und die Tiere benötigen entsprechende Herkunftsnachweise. Die Entnahme aus der Natur, z.B. als Urlaubsmitbringsel ist streng verboten und strafbar!
Griechische Landschildkröten werden jedes Jahr in großer Zahl nachgezüchtet und zu moderaten Preise angeboten, sodass eine Naturentnahme heute nicht mehr stattfindet. Wer ein Stück sonnenexponierten Garten sein eigen nennt kann sich sicher mit gutem Gewissens fragen ob die Haltung einer Griechischen Landschildkröte für ihn in Frage kommt.
Bei der Haltung artgeschützter Schildkröten ist die EU-Bescheinigung das zentrale Dokument zum legalen Herkunftsnachweis. Da sich das Erscheinungsbild der Tiere insbesondere in der Wachstumsphase kontinuierlich verändert, ist eine ergänzende Fotodokumentation gesetzlich notwendig. Nur durch regelmäßige Aufnahmen kann die zuständige Behörde sicherstellen, dass die vorliegende Bescheinigung zweifelsfrei dem jeweiligen Tier zugeordnet werden kann.

Die Häufigkeit der Fotoaufnahmen richtet sich nach der Wachstumsgeschwindigkeit des Tieres. In den ersten Lebensjahren sind die Intervalle entsprechend kurz zu halten:
- Im ersten Lebensjahr (Jahr 0): Eine erste Aufnahme erfolgt im Alter von 1 bis 3 Monaten (September bis November).
- Im zweiten Lebensjahr (Jahr 1): Hier sind zwei Dokumentationen vorgesehen – eine im Frühjahr (März bis Mai) sowie eine im Herbst.
- Ab dem dritten Lebensjahr: Eine jährliche Aufnahme im Herbst ist bis zum Erreichen der Geschlechtsreife in der Regel ausreichend.
Mit zunehmendem Alter und nachlassendem Wachstum können die Abstände auf drei bis fünf Jahre vergrößert werden.
Damit die Fotos behördlich anerkannt werden, müssen bestimmte formale Kriterien erfüllt sein. Das Tier muss stets in der Draufsicht fotografiert werden, wobei sowohl der Rückenpanzer als auch der Bauchpanzer abzubilden sind.
Um die Größe des Tieres objektiv nachvollziehbar zu machen, ist es zwingend erforderlich, die Schildkröte auf einem Karopapier oder unmittelbar neben einem Lineal zu positionieren. Achten Sie auf eine gute Ausleuchtung und Schärfe, damit die individuellen Merkmale des Panzers deutlich erkennbar bleiben.

Sobald das Tier eine ausreichende Größe erreicht hat, besteht die Möglichkeit, durch einen Tierarzt einen Mikrochip implantieren zu lassen. Mit dieser dauerhaften, eindeutigen Kennzeichnung entfällt die Pflicht zur weiteren Fotodokumentation, da die Identität des Tieres fortan technisch ausgelesen werden kann.
Bitte beachten Sie, dass die genauen Anforderungen je nach zuständigem Regierungspräsidium oder Landratsamt variieren können. Es empfiehlt sich daher, die spezifischen Hinweise und bereitgestellten Vordrucke auf den offiziellen Webseiten Ihrer lokalen Behörde zu prüfen.
Gehege und Unterbringung
Die artgerechte Haltung erfordert ein Außengehege. Eine dauerhafte Terrarienhaltung im Haus ist den Bedürfnissen der Tiere nicht zuträglich und sollte höchstens in der Übergangszeit in Betracht gezogen werden oder für Jungtiere im ersten Winter.
Das Freigehege sollte:
- sonnige und schattige Bereiche bieten
- strukturreich mit Pflanzen, Steinen und Verstecken sein
- ausreichend groß sein (mehrere Quadratmeter pro Tier)
Die Einfriedung muss ausreichend hoch gestaltet sein, damit die Tiere nicht entweichen können. Das gilt auch für den Fall, dass mal zwei drei Tiere übereinander steigen. Zusätzlich ist ein Frühbeet oder Gewächshaus notwendig, um auch dann etwas höhere Temperaturen zu gewährleisten, wenn nicht das sonnigste Wetter herrscht. Der Zugang zu dem Frühbeet oder Gewächshaus sollte so gestaltet sein, dass die Tiere jederzeit Zugang dazu haben. Gerade für längere Schlechtwetterperioden kann es Sinn machen, wenn man die die Möglichkeit hat das Gewächshaus etwas zu beheizen.

Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. empfiehlt als Mindestgröße für das Gehege die 25-fache x 10-facher Panzerlänge des Tiers. Auch hier gilt: mehr Fläche ist immer gut! Wir empfehlen daher gerne etwas mehr Platz, da sich die Tiere so auch besser auf Futtersuche gehen können.
Unserer Erfahrung nach ist auch bei der Übergangshaltung im Inneren das Thema Temperatur und Sonne nicht zu vernachlässigen. Eine Lucky Reptile Bright Sun kann in diesem Fall in allen Bereichen Abhilfe schaffen und dient als Rundum-Sorglos Allrounder.

Klima und Winterstarre
Ein natürlicher Jahresrhythmus mit Sommerwärme und Winterstarre ist zwingend erforderlich und synchronisiert den natürlichen Fortpflanzungszyklus. Die Winterstarre dauert etwa 2–4 Monate bei Temperaturen zwischen 4 und 6 °C. Die sicherste Methode ist es die Tiere im Kühlschrank zu überwintern. Es kann aber auch in einem frostsicheren Raum erfolgen. Wichtig ist eine möglichst gleichbleibende Temperatur.

Gesundheit und Pflege
Bei artgerechter Haltung sind Griechische Landschildkröten ausgesprochen robuste Tiere. Dennoch können Krankheiten auftreten, z. B.:
- Atemwegserkrankungen
- Parasitenbefall
- Panzererweichung durch Calciummangel
- Herpes-Virus (das ist eine Erkrankung, die in besonderem Maße T. hermanni betrifft. Sie ist nicht auf den Menschen übertragbar, für mehr Informationen: https://www.exomed.de/herpesviren-bei-landschildkroeten/)
Die beste Methode den Gesundheitszustand zu beurteilen sind regelmäßige Gewichtskontrollen und die Beobachtung des Verhaltens als wichtige Bestandteile der Pflege. Als wichtigste präventive Maßnahme gilt auf Hygiene zu achten. Übrige Futterreste sollten regelmäßig entsorgt werden, das Wasser muss immer frisch und sauber sein.
Vor der Überwinterung sollte es zur Standardroutine gehören den Kot der Tiere rechtzeitig auf Parasiten und andere Krankheitserreger untersuchen zu lassen. Rechtzeitig deswegen, damit man ggf. die Schildkröten noch behandeln kann bevor sie in die Winterstarre gehen. Eine Überwinterung sollte nur für gesunde Tiere in Betracht kommen. Man kann die Kotuntersuchungen beim Tierarzt durchführen lassen, oder aber man nutzt ein Untersuchungsset, das verschiedene Anbieter in Zusammenarbeit mit fachkundigen Labors anbieten. Dort schickt man die Probe hin und bekommt weniger Tage später die Untersuchungsergebnisse zusammen mit entsprechenden Handlungsempfehlungen. Tierärztliche Betreuung sollte ausschließlich durch reptilienkundige Tierärzte erfolgen.
Tipp
Passend zum Starter Kit für Landschildkröten bietet Lucky Reptile eine Übersicht, die den Schildkröten-Halter durch das Jahr begleitet. Der Plan berät den Halter in puncto Futter, Beleuchtung, Klima und Gesundheit und kann als Orientierung dienen. Der Plan ist nicht alleinstehend, sondern in Verbindung zum Starter Kit zu betrachten.
Gerne stellen wir Ihnen den Plan auch als praktischen Download und zum Ausdruck zur Verfügung.
Weiterführende Literatur
VETTER, H. (2006):Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni): Dalmatinische und italienische Landschildkröte. Testudo boettgeri, hercegovinensis und hermanni.- Edition Chimaira, Frankfurt am Main, 325 S.
SCHARDT, M. (2025): Die Griechische Landschildkröte: Testudo hermanni boettgeri.- Art für Art Reihe, Natur und Tier Verlag Münster, 64 S.
ZIRNGIBI, R. (2011): Griechische Landschildkröten.- Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart, 96 S.
WILKE, H. (2015): Landschildkröten: Fit und gesund durchs Leben.- Gräfe u. Unzer Verlag, München, 64 S.
ROGNER, M. (2007): Griechische Landschildkröten: Testudo hermanni hermanni, Testudo hermanni boettgeri, Testudo hermanni hercegovinensis. Lebensweise, Haltung, Nachzucht.- Natur und Tier Verlag, Münster, 168 S.









