Tier des Monats Januar – Die zentralaustralische Taubagame (Tympanocryptis centralis)

Die wissenschaftliche Gattungsbezeichnung Tympanocryptis bedeutet so viel wie verborgenes oder verstecktes Trommelfell. Ihr markantestes Merkmal ist, dass das Trommelfell nicht von außen sichtbar ist, wie das sonst bei Echsen üblich ist. Daraus ist der deutsche Name Taubagame abgeleitet. Wirklich taub sind die Tiere nicht. Der Gehörapparat ist vorhanden und voll entwickelt, liegt jedoch unter der Haut verborgen. 

In der Gattung Tympanocryptis werden 26 Arten zusammengefasst, die alle in Australien verbreitet sind. Lange Zeit wurden die Taubagamen in Europa der Art T. tetraporophora zugeordnet. Eine von Patanant durchgeführte Genanalysen im Jahre 2016 zeigten jedoch, dass es sich um T. centralis handelt – die Zentralaustralische Taubagame. Diese kleine und gut haltbare Agame ist ideal für alle, die nicht den Platz für haben eine großwerdende Bartagame haben.

Im Zuge unserer Aktion „Tier des Monats“ möchten wir Ihnen diese keinen Gesellen etwas näher vorstellen.  

Was ist eine Australische Taubagame?

Taubagamen gehören zu den kleinsten Agamen, die wir kennen. So erreichen die Tiere bis zu 14 cm Gesamtlänge, wobei etwas mehr als die Hälfte auf den Schwanz entfällt. Interessanterweise sind die Weibchen bei den Taubagamen etwas größer und kräftiger gebaut als die Männchen.

Die Tiere tragen ein Schuppenkleid aus gekielten Schuppen, die sie immer rau aussehen lassen. Einzelne Schuppen sind vergrößert und verteilen sich gleichmäßig über den Rücken. Ein Rückenkamm fehlt aber.

Die Grundfarbe ist eine helles Braun, manche Tiere sind mehr oder minder einfarbig, andere zeigen eine intensive Fleckenzeichnung. Der Rücken und die Schwanzoberseite sind dann etwas heller und auf dem Rücken sind meist 6 schokoladenbraune Flecken, die sich auf dem Schwanz fortsetzen. Diese werden durch eine helle, oft weiße Mittellinie geteilt.

Woher kommen Australische Taubagamen?

Die Zentralaustralische TaubagamenTympanocryptis centralisist ein Bewohner des wüstenhaften Herzens von Australien. Im Einzelnen sind dies das östliche Westaustralien, der Norden Südaustraliens und der zentrale Bereich der Northern Territory.

Meist ist ihre Verbreitung mit felsigen Formationen assoziiert, sie kommen aber auch auf mit Steinen durchsetzten Lehmböden vor, die mit Spinifexgras (Triodia spp.) bewachsen sind.

Sozialverhalten

In der Natur sind diese Agamen Einzelgänger, die sich nur zur Paarungszeit zusammenfinden. D.h. wir können sie auch im Terrarium gut einzeln halten. Die Weibchen dieser Art sind aber auch nicht sonderlich territorial, sodass in der Regel eine Gruppenhaltung mit einem Männchen und einem oder mehrerer Weibchen kein Problem darstellt. Trotzdem sollte man immer ein Auge darauf haben, ob einzelne Exemplare unterdrückt werden und man die Möglichkeit hat, Tiere zu separieren.

Taubagamen im Terrarium

Für ein Pärchen bzw. kleine Gruppe sollte man auch jeden Fall mit einem Terrarium ab den Maßen 80 x 50 x50 rechnen, auch wenn die Haltungsrichtlinien mit deutlich weniger zufrieden sind. Es geht aber nicht nur um mehr Bewegungsraum für die Tiere, sondern je kleiner ein Terrarium umso schwieriger ist es, einen Temperaturgradienten zu schaffen und unterschiedliche Mikroklimate anzubieten.

Als Bodengrund eignet sich ein grabfähiges Erde-Sandgemisch. In einer Ecke wird das Substrat immer leicht feucht gehalten.

Durch eine Felsrückwand wird die Bewegungsmöglichkeiten zusätzlich erweitert und sie wird auch gerne von den Tieren angenommen. Mit Hölzern und Steinen werden unterschiedliche Verstecke geschaffen, wobei ein Kompromiss zwischen Rückzugs Möglichkeiten und guter Kontrollierbarkeit gefunden werden muss.

Als tagaktive Bewohner Zentralaustraliens können die Tiere kaum zu viel Licht bekommen. Als Grundbeleuchtung im Terrarium dient ein LED Balken. Essenziell ist ein zusätzlicher UV-Strahler, der Licht, Wärme und entsprechende UV-Strahlung an den Sonnenplatz bringt. Dort sollten gerne 45 °C erreicht werden. Reicht die UV-Lampe alleine nicht aus um die notwendige Temperatur zu erreichen, muss ein Halogenstrahler als Ergänzung installiert werden. Die Grundtemperatur im Terrarium sollte bei 25 – 30 °C liegen. 

Zur Wasserversorgung dient ein Wassernapf, der große genug sein sollte, damit die Tiere darin baden können. Zusätzlich wird zwei bis dreimal pro Woche etwas gesprüht. Die Luftfeuchte sollte 60 % nicht überschreiten.     

Winterruhe

Eine echte Winterruhe benötigen die Taubagamen nicht, dennoch hilft es besonders, wenn man züchten möchte, damit sich die Fortpflanzungszyklen synchronisieren. Die Beleuchtung und die Temperatur werden dazu für 2 Monate etwas reduziert. Die Temperatur sollte in der Zeit zwischen 16 – 18 °C liegen und die Beleuchtung wird nur für 10 Stunden zugeschaltet, wobei die Wärmestrahler außer Betrieb bleiben. 

Futter

Die Fütterung stellt keine Herausforderung dar. Taubagamen sind omnivor, d.h. sie fressen Pflanzen und tierische Kost. Dabei werden eigentlich alle gängigen Futterinsekten, wie Grillen, Heimchen, kleine Heuschrecken, Bohnenkäfer und Schaben, gerne angenommen. Dies bietet man dreimal die Woche an. Trächtigen Weibchen auch gerne etwas öfter. Ansonsten werden 5 Tage pro Woche Löwenzahn, Salat, diverse Kräuter und Blüten gereicht. Die pflanzliche Kost sollte überwiegen. An ein bis zwei Tagen wird ein Fastentag eingelegt.

Schutzstatus

Taubagamen sind nicht international geschützt. Die Haltung in Europa unterliegt damit keiner Einschränkung. Allerdings ist der Export von lebenden Wildtieren aus Australien seit vielen Jahrzehnten verboten. Damit sind alle hier erhältlichen Exemplare selbstverständlich aus Nachzuchten.

Weiterführende Literatur

Ackermann, T. & Fritz, P. (2006): Australische Taubagamen Tympanocryptis tetraporophora, IGUANA-Rundschreiben, Rheinberg (DGHT), 19 (1), 17-28

Ackermann, T. & Fritz, P. (2012): Die Australische Taubagamen: Tympanocryptis tetraporophora. – Natur und Tier Verlag, Münster, 64 S.

Müller, H. D. (1998): Die Australische Agame Tympanocryptis tetraporophora im Terrarium, Elaphe 6 (4): 2-6, Rheinberg (DGHT)

Patanant, K. C. (2016): Geglaubtes in neuem Licht: DNS-Sequenzanalyse liefert neue Erkenntnisse bezüglich der Artzugehörigkeit australischer Taubagamen (Tympanocryptis) in europäischen Beständen.- SAURIA, Berlin, 38 (1): 56-59