Die Vogelspinne Caribena versicolor zählt zu den farbenprächtigsten und faszinierendsten Arten innerhalb der Familie der Theraphosidae. Ursprünglich wurde sie der Gattung Avicularia zugeordnet und war lange unter dem Namen Avicularia versicolor bekannt. Im Zuge taxonomischer Neubewertungen wurde die Spinne jedoch im Jahr 2017 in die Gattung Caribena überführt.
Aufgrund ihres auffälligen Erscheinungsbildes erfreut sich Caribena versicolor einer großen Beliebtheit in der Terraristik. Dabei gehört die Art nicht zu den am einfachsten zu haltenden Vogelspinnen. Werden allerdings ein paar wesentliche Dinge bei der Haltung dieses Schmuckstücks berücksichtigt, dann sollte der erfolgreichen Haltung nicht im Wege stehen. Alles, was Sie wissen müssen, hier im Wissenskosmos.
Aussehen und Körperbau
Ihr Äußeres entspricht einer typischen Vogelspinne. Dabei sind die Beine relativ lang und schlank, was auf ihre baumbewohnende (arboreale) Lebensweise hinweist. Beine und Hinterleib sind typisch stark behaart. Weibchen erreichen eine Körperlänge von etwa 5–6 cm (in dem Fall werden Prosoma (Vorderkörper) und Opistosoma (Hinterleib) zusammengezählt), mit einer Beinspannweite von bis zu 12–14 cm, gehören sie zu den mittelgroßen Vogelspinnen. Männchen bleiben meist etwas kleiner und schlanker.

Die Füße der Martinique Baumvogelspinnehaben sog. Haftpolster, die es ihnen erlaubt, auch an glatten Flächen sichern Halt zu finden. Selbst an senkrechten Glasscheiben kann diese Spinne mühelos hochklettern.

Ebenfalls gut zu erkennen ist die Verfärbung der Beine und an den Spitzen dieser.
Das besonders bemerkenswerte Merkmal von Caribena versicolor ist der drastische Farbwechsel während ihrer Entwicklung (Ontogenese). Jungtiere (Spiderlinge) weisen eine völlig andere Färbung auf als adulte Tiere.
- Spiderlinge: Die Jungtiere sind metallisch blau gefärbt mit dunklen, teilweise schwarzen Abdominalzeichnungen. Diese intensive Blaufärbung dient möglicherweise der Tarnung oder Abschreckung von Fressfeinden.
- Juvenile Phase: Mit zunehmender Größe beginnt ein allmählicher Farbwechsel. Die Beine nehmen grünliche bis violette Töne an, während das Abdomen rötlicher wird.
- Adulte Tiere: Ausgewachsene Exemplare zeigen eine spektakuläre Kombination aus leuchtend rotem Abdomen, grün schimmerndem Carapax und blau bis violett gefärbten Beinen mit rosa Haaren. Diese Farbenvielfalt macht die Art zu einer der schönsten Vogelspinnen überhaupt.

Verbreitung und Lebensraum
Caribena versicolor ist endemisch auf der Karibikinsel Martinique. Endemisch bedeutet, sie kommt nur dort vor und sonst nirgends auf der Welt. Dort lebt sie die zentralen Bereichen der Insel in den tropischen Regenwäldern mit hoher Luftfeuchtigkeit und konstant warmen Temperaturen.
Als baumlebende Art besiedelt die Martinique Vogelspinne die Baumwipfel der Urwaldbäume. Sie nutzt Astgabeln, Baumhöhlen und dichte Vegetation als Verstecke und spinnt ausgedehnte Gespinste, die ihnen als Rückzugsort dienen.

Verhalten
Caribena versicolor gilt als relativ friedlich und wenig aggressiv gegenüber dem Menschen. Statt zu beißen, zieht sie sich meist schnell in ihr Versteck zurück. Überhaupt ist diese Spinne recht schnell und agil.
Ein interessantes Merkmal ist das sogenannte „Sprungverhalten“. Obwohl Vogelspinnen in der Regel zu schwer und zu kompakt gebaut sind, um hüpfen zu können, kann Caribena versicolor kurze Distanzen überwinden, indem sie sich geschickt abstößt und kurze Distanzen springend überwindet. Das können nur wenige Vogelspinnen und weist einmal mehr auf eine kletternde Lebensweise im Geäst hin.
Auch im Terrarium zeigt die Art ihre typische Gespinstfreude. Oft werden ganze Bereiche stark eingesponnen. Das Tier hält sich bevorzugt in erhöhten Bereichen auf und legt dort sein Versteck an und spinnt dieses komplett ein.
Martinique Baumvogelspinnen sind Einzelgänger und untereinander unverträglich. Ältere Jungtiere und insbesondere ausgewachsene Exemplare sind territorial und aggressiv gegenüber Artgenossen. Um Kannibalismus vorzubeugen sollte die Haltung immer einzeln erfolgen.
Ernährung
In freier Wildbahn ernährt sich die Art hauptsächlich von allerlei Insekten. In seltenen Fällen können auch mal kleine Wirbeltiere wie Frösche, Echsen oder gar Vögel, wie Kolibris erbeutet werden. Im Übrigen kommt der deutsche Begriff Vogelspinne daher, dass die Malerin und Naturforscherin Maria Sybilla Merian bereits 1705 ein Bild veröffentlichte, bei der eine Spinne (wahrscheinlich Avicularia avicularia) einen Kolibri erbeutete.
Die Spinne ist ein Lauerjäger. Sie wartet in ihrem Gespinst, bis Beute in Reichweite kommt, und schlägt dann blitzschnell zu. Das Gift dient dazu, die Beute zu lähmen und vorzuverdauen. Für den Menschen gilt der Biss einer Martinique Baumvogelspinne als unbedenklich. Um einer Infektion vorzubeugen sollten für den unwahrscheinlichen Fall, dass man gebissen wird, auf jeden Fall die Bissstelle desinfiziert werden.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung folgt dem typischen Muster der Vogelspinnen. Die Männchen erreichen die Geschlechtsreife nach der letzten Reifehäutung, nach etwa 2 Jahren. Die Weibchen benötigen dafür etwa ein halbes Jahr länger.
Beide Geschlechter werden zur Paarung zusammengesetzt. In der Regel wird man das Männchen zum Weibchen geben. Ideal sind die Abendstunden. Ist das Männchen in Balzstimmung nähert sich das Männchen dem Weibchen und führt ein Balzverhalten aus, in dem es mit den Vorderbeinen trommelnde Bewegungen ausführt, um seine Paarungsbereitschaft zu signalisieren. Ist das Weibchen interessiert wird sie sein Trommeln ihrerseits mit Trommeln beantworten. Hat die Balz Erfolg schließt sich die Paarung an. Auch wenn Caribena versicolor nicht als besonders aggressiv gilt und das Männchen nur selten attackiert wird, sollte man zur Sicherheit bei der Paarung dabeibleiben, um bei Bedarf eingreifen zu können.
Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen einen Kokon mit Eiern an. Ein Kokon kann zwischen 50 und 150 Eier enthalten. Die Entwicklungsdauer ist temperaturabhängig und beträgt in der Regel zwischen 6 bis 8 Wochen. Männchen leben nach der Geschlechtsreife oft nur noch wenige Monate, während Weibchen eine Lebenserwartung von bis zu 10–12 Jahren erreichen können.
Haltung im Terrarium – Allgemeine Anforderungen
Die Haltung von Caribena versicolor gilt als mittelschwer und ist auch für fortgeschrittene Anfänger geeignet. Wichtig ist, die natürlichen Lebensbedingungen möglichst gut nachzubilden.
Die Einrichtung
Als Bodengrund empfiehlt sich ein saugfähiges Substrat wie Kokoshumus oder Lucky Reptile Jungle Bedding. Der feuchte Bodengrund speichert die Feuchtigkeit und gibt sie kontinuierlich an die Umgebung ab. Zusätzliche Moospolster speichern zusätzliche Feuchtigkeit und gewährleisten eine gleichmäßige Luftfeuchte im Becken.
Um die Kletterfläche zu erweitern, sollte man zumindest die Rückseite innen mit einer Rückwand aus Korkrinde bekleben. Weitere Klettermöglichkeiten werden durch Korkäste geschaffen, die nicht zu dünn sein dürfen. Im oberen Bereich wird ein Versteck in Form einer Baumhöhle installiert. Hier haben sich Korkröhren bestens bewährt.
Abgerundet wird das Bild durch ein paar Pflanzen. Natürliche Pflanzen sehen nicht nur schick aus, sondern erhalten gleichzeitig die Luftfeuchtigkeit und tragen dadurch einen wichtigen Beitrag zum Mikroklima im Terrarium. Im Reptilienkosmos finden Sie eine geeignete Auswahl an Pflanzen für Ihr Terrarium.
Wer keinen grünen Daumen besitzt oder schlicht die Pflege der Pflanzen vermeiden möchte, kann auf hochwertige und echtaussehende Kunstpflanzen zurückgreifen – auch diese führen wir in großer Vielfalt in unserem Sortiment.
Klima
Für die erfolgreiche Pflege ist die richtige Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit entscheidend:
- Temperatur: 24–28 °C (tagsüber), nachts leicht abfallend
- Luftfeuchtigkeit: 70–80 %
Eine gute Belüftung ist besonders wichtig, da stehende, feuchte Luft zu Schimmelbildung und gesundheitlichen Problemen führen kann. Daher sollte das Terrarium über ausreichend Lüftungsflächen verfügen. Wie schon beschrieben ist ein Terrarium mit einem Deckel der großflächig mit einer Gaze bespannt ist ideal. Die nötige Luftfeuchtigkeit wird durch tägliches Sprühen vornehmlich am Abend erreicht. Nachts ist die Luftfeuchtigkeit auch in der Natur durch die Abkühlung höher als tagsüber. Durch das saugfähige Bodensubstrat und ggf. einige Moospolster wird kontinuierlich Feuchtigkeit an die Umgebung im Becken abgegeben. Sollte das Sprühen alleine nicht ausreichen wird der Bodengrund durch Gießen leicht feucht gehalten. Staunässe darf nicht entstehen!
Ein kleiner Wassernapf sollte nicht fehlen, auch wenn die Spinnen das meiste Wasser zum Trinken von Tropfen nach dem täglichen Sprühen aufnimmt. Mit dem Aqua CrystalGel von Lucky Reptile bleibt das Wasser länger erhalten und die Gefahr des Ertrinkens entfällt.
Die richtige Temperatur kann durch die Verwendung einer kleinen Heizmatte erreicht werden. Dazu wird entweder die Heizmatte von außen auf die Rückwand oder die Seiten geklebt oder bei einer baumlebenden Spinne ist auch die Platzierung unter dem Terrarium möglich. So wird das ganze Becken von unten nach oben durchwärmt.
Zusätzlich zur Heizmatte, die die notwendige Grundtemperatur schafft, kann mit einer kleinen Halogenlampe, die oben auf die Gaze aufgesetzt wird zusätzlich eine leichte Strahlungswärme ins Becken gebracht werden. Die sollte nicht zu stark sein (ca. 10 Watt, eine Halogen Sun Nano dürften ausreichen), aber einen keinen Sonnenplatz mit leicht erhöhten Temperaturen lieben die Tiere und suchen diesen auch gezielt auf, wenn sie sich unbeobachtet fühlt.
Tipp: Mit einem kleinen Dimmer lässt sich die Temperatur am Sonnenplatz gezielt anpassen und regulieren.
Neben der Halogenleuchte wird insbesondere, wenn lebende Pflanzen im Becken sind, das Terrarium zusätzlich mit einer LED-Grundbeleuchtung ausgestattet. Die soll eine großflächige moderate Ausleuchtung (Grundbeleuchtung) schaffen ohne zusätzlich nennenswerte Wärme einzubringen. Für eine Waldbewohnerin wie die Martinique Baumvogelspinne, sollte die Grundbeleuchtung nicht zu stark und grell sein. Hier schaffen dimmbare Lampen Abhilfe. Hier finden Sie eine kleine Auswahl unserer Empfehlungn:
Fütterung im Terrarium
Jungtiere sollten häufiger gefüttert werden (mehrmals pro Woche), während adulte Tiere mit einer Fütterung pro Woche auskommen.
Gefüttert werden adulte Spinnen mit geeigneten Futterinsekten wie, Heimchen, Grillen, Schaben oder Heuschrecken. Für die Jungtiere muss die Auswahl der Futtertiere an die Größe angepasst werden. Frisch geschlüpften Spiderlingen werden beispielsweise Drosophila angeboten. Mittels einer Zange kann das Futter gegeben und bei Überschuss auch wieder aus dem Terrarium entfernt werden.
Dank unserer großen Auswahl an Futterinsekten bieten wir für nahezu jedes Tier die passenden Tierchen an.
Wichtig ist, dass nicht gefressene Beute aus dem entfernt werden. Insbesondere während der Häutung können nicht gefressene Futtertiere zum Problem werden, weil sie den weichen und wehrlosen Körper der Spinne anknabbern können.
Überfütterung unbedingt vermeiden!
Häutung
Wie alle Spinnen häutet sich Caribena versicolor regelmäßig, um zu wachsen. Während dieser Zeit ist sie besonders empfindlich und sollte nicht gestört werden.
Anzeichen einer bevorstehenden Häutung sind Nahrungsverweigerung, Rückzug ins Gespinst und ein dunkler werdendes Abdomen. Ist der Zeitpunkt gekommen legt die Spinne sich in ihrem Gespinst auf den Rücken, das Prosoma platzt auf und die Spinne schlüpft aus ihrer alten Haut heraus in dem Sie sie Beine aus der alten Haut herauszieht. Die neue Haut ist noch ganz weich und die Spinne pumpt Hämolymphe (das Blut der Spinnen) in die Extremitäten. So dehnt sich die neue Haut und härtet im Laufe einiger Tage etwas größer aus.
Nach der Häutung sollte einige Tage bis Wochen nicht gefüttert werden, bis der Chitinpanzer vollständig ausgehärtet ist.
Handling
Vogelspinnen sind keine Streicheltiere. Ruhige Vertreter wie z.B. aus der Gattung Brachypelma lassen sich auch mal auf die Hand nehmen aber gerade die etwas agileren Baumvogelspinnen sind keine Streicheltiere und sollten so wenig wie möglich gehandelt werden. Sie sind schnell und flüchten bei Stress. Eine Vogelspinne die aus einem Meter auf den Boden fällt kann sich dabei schwer verletzen.
Die wichtigsten Fehler in der Haltung
Caribena versicolor gilt als etwas empfindlicher als viele andere Vogelspinnenarten, insbesondere in Bezug auf:
- schlechte Belüftung
- zu hohe Feuchtigkeit ohne Luftzirkulation
Gerade Jungtiere können bei falschen Haltungsbedingungen schnell sterben. Das Hauptaugenmerk bei dieser Art sollte daher darauf liegen die häufigsten Fehlern in der Haltung zu vermeiden. Dazu gehören zu feuchte, schlecht belüftete Terrarien, falsche Temperatur, mangelnde Klettermöglichkeiten und übermäßiges Stören.
Das passende Terrarium ist für die Haltung einer Vogelspinne entsprechend unabdingbar. Ein Einsteigerterrarium kann besonders beim Start in das Hobby hilfreich sein und kann nach und nach erweitert und umdekoriert werden.
Wer sich selbst komplett verwirklichen will, kann auf ein kleines, für Vogelspinnen ausgelegtes, Terrarium zurückgreifen.
Unsere Empfehlung:
Fazit
Caribena versicolor ist eine außergewöhnlich schöne und interessante Vogelspinnenart, die durch ihre intensive Farbentwicklung und ihr interessantes Verhalten besticht. Ihre arboreale Lebensweise und ihr ausgeprägtes Gespinstverhalten machen sie zu einem äußerst spannenden Pflegling im Terrarium.
Wie bei vielen exotischen Tieren erfordert ihre Haltung ein gewisses Maß an Wissen und Sorgfalt, insbesondere hinsichtlich Belüftung und Klima. Wer diese Anforderungen erfüllt, wird mit einer faszinierenden und farbenprächtigen Spinne belohnt, die zu Recht zu den beliebtesten Arten in der Terraristik zählt.





















