Die allermeisten Reptilieneier benötigen eine feuchte, warme und trotzdem nicht gänzlich abgeschlossene Atmosphäre, um sich zu entwickeln. Besonders kurz nach der Eiablage nehmen Reptilieneier aus ihrer Umgebung nicht unerhebliche Mengen an Wasser auf. Dies betrifft vor allem Arten, deren Eier weiche und pergamentartige Schalen besitzen. Je nach Art kann dadurch das Ei zwischen 20 und 66 % an Gewicht zunehmen. Das die Eier umgebende Brutsubstrat sollte daher Wasser gut speichern und auch abgeben können. Weiterhin muss das Ei „atmen“ können.
Das bedeutet, der sich entwickelnde Embryo betreibt Zellatmung und nimmt dazu Sauerstoff aus der ihn umgebenden Atmosphäre auf und gibt CO2 an diese wieder ab. Das Brutsubstrat darf daher nicht zu kompakt sein und muss einen ausreichenden Gasaustausch zulassen.
Was ist Vermiculite?
Vermiculite wird aus Glimmermineralien gewonnen. Dazu wird Ausgangsgestein auf die gewünschte Körnung gesiebt und dann auf 700 bis 1000 °C erhitzt. Durch diese extreme Hitze verdampft das im Gestein enthaltene Kristallwasser schlagartig und bläht die Mineralplättchen um das bis zu 30-fache auf – ähnlich wie es bei Popcorn der Fall ist. Dadurch entsteht ein poröses, wärmeisolierendes, leichtes und saugfähiges Material. Nach der Fertigung ist es keimfrei, und weil es aus rein mineralischen Komponenten besteht, kann es selbst nicht verrotten.

Warum ist Vermiculite so ein tolles Brutsubstrat?
Durch die poröse Struktur der Vermiculite-Körner besitzt das Material eine sehr gute Wasserspeicherfähigkeit. Das Material saugt Wasser sehr schnell auf, speichert es und gibt es langsam und kontinuierlich wieder an die Umgebung ab. Es besitzt daher sehr gute feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften. Auch wenn es feucht ist, behält es seine lockere Struktur mit vielen Hohlräumen zwischen den Körnern. Dadurch wird eine gute Belüftung der Eier gewährleistet. Vermiculite gibt es in verschiedenen Körnungen.
Die Körnung des bekannten Vermiculites von Lucky Reptile ist sicher für 90 % aller Reptilien ideal. Lediglich bei sehr großen Eiern z. B. von großen Pythons kann es Sinn machen, eine gröbere Körnung zu wählen, um die Belüftung der großen Eier zu verbessern. Bei sehr kleinen Eiern wiederum kann man ggf. etwas kleinkörnigeres Material wählen, damit ein ausreichender Wasseraustausch gewährleistet bleibt. Die lockere Struktur von Vermiculite sorgt gleichzeitig für einen hohen Isolationswert. Durch die Wärmeisolierung werden Temperaturschwankungen im Brutgefäß ausgeglichen und gepuffert.
Vermiculite ist durch die hohen Temperaturen bei der Produktion zunächst steril. Da es nur aus anorganischen Mineralstoffen besteht, beinhaltet es selbst nichts, was in irgendeiner Weise verrotten könnte. Da es nicht steril verpackt wird, kann durch Eintrag von außen wie Staub, Hefepilze und letztlich durch die Eier selbst organisches Material eingetragen werden. Die Kombination aus Wärme und Feuchtigkeit beim Bebrüten von Reptilieneiern beinhaltet daher immer die Gefahr von Schimmelbildung. Vermiculite selbst ist aber keimarm.
Damit wird klar, dass Vermiculite ein ideales Brutsubstrat für die Inkubation von den meisten Reptilieneiern darstellt. Durch Zugabe von mehr oder weniger Wasser lässt sich die ideale Feuchtigkeit einstellen. Letztlich geht es bei der Inkubation von Reptilieneiern um die Balance zwischen genug Feuchtigkeit, ausreichender Belüftung und die Aufrechterhaltung der Parameter über einen längeren Zeitraum.
Wie wende ich Vermiculite richtig an?
Als Brutsubstrat muss das trockene Vermiculite mit Wasser angefeuchtet werden. Dabei sollte es feucht sein, aber am Boden sollte sich kein freies Wasser sammeln. Als Standard hat sich ein Mischungsverhältnis von 1 : 1,2 Vermiculite zu Wasser bewährt. Wichtig ist dabei, dass es sich um das Gewichtsverhältnis handelt (z.B. 100 g Vermiculite : 120 g Wasser)! Eine Volumenangabe ist nicht geeignet, weil es Vermiculite in unterschiedlichen Körnungen verkauft wird und damit die Dichte des Material sehr unterschiedlich ausfällt! In dem Fall hätte man als Resultat sehr unterschiedliche Feuchtigkeitsgehalte. Als Faustregel im wahrsten Sinne des Wortes gilt: Wenn man das angefeuchtete Substrat mit der Hand ausdrückt, darf kein Wasser heraustropfen.
Für Arten beispielsweise aus Trockenregionen sollte das Vermiculite etwas trockener angesetzt werden (Mischungsverhältnis 1 : 1). Für Tierarten, wie Wasserschildkröten oder Spezies aus tropischen Regenwäldern, darf die Mischung etwas feuchter ausfallen; 1 : 1,5. Unten finden Sie eine Tabelle mit Empfehlungen für einige der häufiger gehaltenen eierlegenden Reptilien in Menschenhand.
Das Vermiculite wird in die Brutdose eingefüllt und kleine Kuhlen geformt, in die die Eier vorsichtig gelegt werden. Je nach Art werden die Eier unterschiedlich tief im Vermiculite eingebettet. Anschließend wird die Brutdose verschlossen und in den Brutapparat überführt. Beachten Sie dazu die Tabelle unten. Die Angaben sind keine Gesetzmäßigkeiten, sondern gründen auf Erfahrungen unterschiedlicher Züchter. Andere haben vielleicht genauso gute Nachzuchtserfolge mit abweichenden Methoden.

Nachfeuchten des Vermiculites
Da Reptilieneier mitunter Monate für die Inkubation benötigen und sie doch etwas Luftaustausch benötigen, ist klar, dass das Brutsubstrat über die Zeit an Feuchtigkeit verliert. Man muss daher die Eier regelmäßig kontrollieren.
Mit etwas Erfahrung reicht eine Sichtkontrolle und ggf. eine kurze Prüfung mit dem Finger, um die Feuchtigkeit des Substrats einzuschätzen. Der sicherste Weg ist jedoch, die Eier komplett zusammen mit dem Brutgefäß zu wiegen. Egal wie viel die Eier an Wasser aufgenommen haben sollten, das Gesamtgewicht der Brutbox, inklusive Brutsubstrat, Wasser und Eiern sollte immer gleich sein. Ist das nicht der Fall, kann es nur am Verlust von Wasser liegen. Ggf. müssen die Eier daher nachgefeuchtet werden. Sinn macht das Ganze natürlich nur, wenn man sich das Ausgangsgewicht irgendwo notiert hat!
Achtung: Wie oben beschrieben, haben Eier die Bestrebung, insbesondere unmittelbar nach der Eiablage, Wasser aufzusaugen. Dadurch kann es sein, dass das Vermiculite in der unmittelbaren Umgebung des Eis schon trocken ist, während der Rest des Substrats noch feucht erscheint. Umgekehrt hat trockenes Vermiculite wiederum selbst die Bestrebung Wasser aufzunehmen und entzieht den Eiern notwendige Feuchtigkeit. Man sollte daher ein besonderes Augenmerk darauf legen, wie sich die Feuchtesituation in der Umgebung der Eier darstellt.
Beim Nachfeuchten sollten die Eier nicht direkt mit dem Wasser in Berührung kommen. Ein Trick, der sich bewährt hat, ist, dass man ein Röhrchen senkrecht in einer Ecke ins Brutsubstrat steckt und dort das Wasser dann von oben einfüllt. So wird das Wasser direkt in das Substrat geleitet und die Gefahr durch Spritzwasser minimiert. Mit Hilfe eines Röhrchens lässt sich auch gezielt um die Eier herum das Substrat nachfeuchten.
Um die richtige Menge an Wasser gezielt zu applizieren, haben sich Spritzen bestens bewährt.
Kondenswasser
Durch die hohe Substratfeuchte ist die Gefahr von Kondenswasser insbesondere am Deckel der Brutbox immer gegeben. Die sich bildenden Wassertropfen sollten nicht auf die Eier tropfen. Ein Trick besteht darin, die Brutbox schräg zu stellen. So rinnt das Kondenswasser am Deckel nach unten und tropft dort ab. Die Eier bleiben unbehelligt. Eine andere Möglichkeit besteht darin, ein Taschentuch oder Stück Stoff über die Dose zu spannen und dann erst den Deckel aufzulegen. Die Tropfen werden vom Stoff aufgesogen.
Belüftung
Die Brutdose muss ausreichend Lüftungslöcher haben, damit ein kontinuierlicher Gasaustausch stattfinden kann. Auf der anderen Seite sollten die Lüftungen nicht zu groß sein, damit das Gelege nicht austrocknet und eine dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit gewährleistet ist. Neben den Luftlöchern sollte ein bis zwei Mal pro Woche das Gelege belüftet werden, indem man den Deckel der Brutdose und die Tür des Brutapparates für wenige Sekunden öffnet. In der Regel wird das mit der Routinekontrolle erledigt. Ein paar empirische Empfehlungen dazu finden Sie in der untenstehenden Tabelle.

Probleme durch Schimmelbildung
Das große Problem bei dem gesamten Thema Inkubation von Reptilieneiern bleibt das Zusammenspiel von Wärme und hoher Luftfeuchte. Hier kommen zwei Dinge zusammen, die natürlicherweise Schimmelbildung fördern. Auch bei diesem Thema ist die regelmäßige Kontrolle entscheidend.
Wird Schimmel bemerkt, sollte man sofort reagieren. Ein leichter, oberflächlicher Befall muss nicht gleich das Ende bedeuten. Man kann mit einem Tuch versuchen, den Flaum zu entfernen. Wichtig ist, die befallenen Eier zu isolieren und vom gesunden Gelege zu trennen, um ein Übergreifen auf die gesunden Eier zu verhindern. Eingefallene, unangenehm riechende und gelblich/bräunliche Eier sind ein Zeichen dafür, dass sie unbefruchtet sind oder abgestorben, und sollten in jedem Fall entfernt werden.
Tritt Schimmel auf, sollte noch mal gezielt geprüft werden, ob die Substratfeuchte nicht doch zu hoch ist. Wassertropfen auf der Eierschale begünstigen Schimmel ebenfalls. Ggf. sollte man die Frischluftzufuhr erhöhen und täglich die Brutbox für ein paar Sekunden öffnen, um einen erhöhten Luftaustausch zu ermöglichen.
Tipp
Wir haben für Sie eine Empfehlung für die Brut von verschiedenen Reptilieneiern zusammengestellt. Diese basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung! Wir haben die Tabelle als praktische Grafik für Sie zusammengestellt.

Inkubation ohne Substrat?
Insbesondere die beiden hier genannten Python-Arten Python regius und Morelia viridis werden häufig auch ganz ohne Substrat ausgebrütet. In dem Fall wird die Brutdose etwa ein Drittel mit Wasser gefüllt und darüber ein Gitter aus Kunststoff gestellt. Die Eier werden auf dem Gitter platziert und haben nur Kontakt zu der sie umgebenden feuchten Luft. So soll die Gefahr von Schimmel noch einmal reduziert werden.
Es soll hier nicht bewertet werden, was besser ist: eine Inkubation im Substrat oder ganz ohne, aber der Vollständigkeit halber sei auf diese Alternative hingewiesen.
Warum sollte man Reptilieneier nicht drehen?
Vogeleier haben Hagelschnüre, die mit dem Dotter verwachsen sind. Sie halten den Dotter immer in der Mitte des Eis. So macht es den Eiern von Vögeln nichts aus, wenn sie gedreht werden. Ganz im Gegenteil. Die brütenden Elterntiere drehen die Eier regelmäßig, um die Eier möglichst gleichmäßig zu wärmen. Die Schlupfrate ist bei gedrehten Eiern sogar höher.
Bei Reptilien ist das gänzlich anders. Reptilieneier werden in der Natur im Bodengrund, in Blätterhaufen oder anderen Substraten vergraben und bleiben dort bis zum Schlupf unberührt. Aus diesem Grund brauchen Reptilien keine Hagelschnüre auszubilden. Der Embryo entwickelt sich bei Reptilien nach der Eiablage auf der Oberseite des Dotters. Wird das Ei nun gedreht, kann der Dotter den Embryo erdrücken. In dem Fall stirbt das Ei ab. Das ist der Grund, warum man Reptilieneier vorsichtig ausgraben muss, ohne sie zu drehen. Um den Überblick zu behalten, markiert man die ursprüngliche Lage der Eier mit einem Bleistift (Filzstifte sind ungeeignet, weil sie Stoffe enthalten können, die ins Ei eindringen können und dem Embryo schaden), z. B. mit einem Kreuz auf der Oberseite des Eies.
Temperaturabhängige Geschlechtsdetermination bei Reptilien
In aller Regel wird das Geschlecht bei Tieren durch die Genetik festgelegt. Für viele Reptilien, wenn auch nicht für alle, wurde jedoch festgestellt, dass das Geschlecht von der Bruttemperatur abhängt. Wenn zu bestimmten Zeiten während der Inkubation bestimmte Temperaturen im Ei herrschen, entwickeln sich vornehmlich männliche bzw. weibliche Tiere. Diese Temperaturen sind für verschiedene Tiere unterschiedlich. Bei der Zucht im Terrarium lässt sich diese Erkenntnis gezielt nutzen, um die gewünschten Geschlechterverhältnisse zu erhalten.
Unsere Empfehlung: keine Brut ohne das passende Zubehör! Vermiculite ist nur der Anfang, wenn es um eine korrekte Nachzucht geht.





